„Ich kann kaum glauben, was die jungen Mädchen heutzutage alles so mitmachen“, sagt Andre, ein Halbfranzose, den wir seit Jahren kennen. Er hat einen Job, bei dem er von Stadt zu Stadt reist und dort auf Partys geht und jeden Abend Hunderte neue Leute trifft. „Die Sachen, die die Leute mir erzählen und die ich selber erlebt habe … Es ist echt schockierend.“
„Wie meinst du das?“, frage ich ihn. „Feiern sie mehr als früher?“
„Nein, Mann!“, sagt er, und schaut mich mit einer Mischung aus Begeisterung, Staunen und Schock an. „Sie machen einfach alles. Analverkehr nach dem ersten Date—kein Problem. Sperma schlucken, Schwänze lutschen, einfach alles! Ich glaube, es ist wegen des Internets.“
„Das stimmt wahrscheinlich“, sage ich. „Hey, wir sollten mal die Vice-Redaktionen auf der ganzen Welt anrufen, und sie bitten, sich mal unter den Kids, die sie kennen, umzuhören, und ein paar Gesundheitsorganisationen und Experten in Ländern, wo wir keine eigene Redaktion haben, und daraus eine Art globalen Trendreport über die sexuellen Umtriebe der Völker der Welt zusammenstellen. Was meinst du?“
„Ich muss leider kurz telefonieren“, sagt er und spaziert davon, um sich mit einem Mädchen darüber zu unterhalten, was sie später vorhat.
ANDY CAPPER
DEUTSCHLANDObwohl die Deutschen ja für gewöhnlich superbemüht sind, aus ihrer Geschichte zu lernen, haben sie in Sachen Syphilis aus der Nummer mit Nietzsche offenbar nicht so richtig viel mitgenommen. Anders lässt sich die Verdopplung der Syphilisrate in den letzten zehn Jahren kaum erklären. Und nicht nur das: Auch HIV und Hepatitis C haben 100 Prozent draufgeschlagen. Dabei haben die Deutschen (mit Ausnahme der Barebackszene) das mit den Kondomen eigentlich geschnallt: 79 Prozent der Singles unter 45 verwenden Gummis. Generell setzt sich eine zunehmend offenere Einstellung zu Geschlechterrollen und der eigenen Sexualität durch; wobei das variiert und tatsächlich in den Augen des Betrachters liegt: Während schwule Männer gern behaupten, dass sich auch Heteros heutzutage gern mal ein oder zwei Finger in den Po schieben lassen oder mal ’ne Transe durchnehmen, tendieren viele heterosexuelle Männer unter der nach außen getragenen liberalen Einstellung dazu, homophob zu reagieren, sobald es um ihr persönliches Arschloch geht. Sogar, wenn sie dafür sterben würden, mal etwas so richtig Großes in den Hintern geschoben zu kriegen, werden sie es tendenziell eher leugnen, als sich dem Verdacht auszusetzen, etwa schwule Tendenzen zu haben. Insgesamt bewegt sich das, was im deutschen Nachtleben passiert, wie der Deutsche an sich im gesunden Mittelmaß—so bleibt die Frage, ob die Vorlieben tatsächlich offener geworden sind, oder ob nur dank der Anonymität des Internets zunehmend zugegeben und ausgeführt wird, was eh schon jahrzehntelang in den deutschen Hirnen herumspukte. Jetzt kann jeder 15-Jährige virtuell zugeben, dass er gern mal von seiner Klavierlehrerin angepisst werden würde—und hat realistische Chancen, eine Klavierlehrerin zu finden, die ihm die Freude bereitet. Ausnahme bildet vielleicht das lesbische Mädchen, das uns erzählte, dass sie beim Schauen von Who’s afraid of Virginia Wolf feucht wurde, aber falls sie eine Facebook-Gruppe zum Thema gründet, wird sie sicher auch da Gleichgesinnte finden.

SCHWEDENSchweden mag nach außen hin wie die natürliche Heimat der ruhigen, klinisch reinen Sozialdemokratie wirken, aber ein kurzer Abstecher in seine sexuellen Fallakten enthüllt eine schmuddelige Welt privater Schmerzen und Traumata, die unter der glatten grauen Oberfläche brodeln. Kein Wunder, dass Julian Assange Ärger bekommen hat, weil er kein Kondom benutzt hat—ehrlich gesagt, gehört dieser Freund des blonden Gifts schon allein für den Versuch hinter Gitter, in einem Land, das eine Oral- und Genitalherpesrate von 50 bis 70 Prozent hat, ohne Verhüterli durchzukommen. Die Schweden sind in den letzten Jahren von einer wahren Welle der Sexualkrankheiten überrollt worden: Tripper hat hier allein in einem einzigen Jahr, 2010, einen verblüffenden und erschreckenden Zuwachs von 40 Prozent zu verzeichnen gehabt. Nur HIV kommt in dem Land nach wie vor so gut wie gar nicht vor. Wenn die Schweden sich neue Formen von Unterleibspestilenzen zuziehen, reagieren sie allerdings mit ihrem berühmten Pragmatismus auf die sich vermehrenden Krankheitszellen in ihren Bäuchen. Schweden hat eine extrem niedrige Schwangerschaftsrate unter Minderjährigen—was sich wohl damit erklären lässt, dass das Land gleichzeitig die höchste Abtreibungsrate der Welt hat: 69,7 Prozent der Schwangerschaften werden abgebrochen. Sie haben auch die höchste Pro-Kopf-Vergewaltigungsrate in Westeuropa, was zum Teil etwas damit zu tun hat, dass sie eine etwas andere Definition der Vergewaltigung verwenden (wie bei Assanges momentanem Dilemma deutlich geworden ist). Trotz oder vielleicht gerade wegen dieser ganzen traumatischen Fakten hat Schweden den prozentual höchsten Anteil an bisexuellen Frauen. Zehntausende von ihnen machen, während ihr diesen Artikel lest, gerade in schwedischen Saunas miteinander herum. Manche von ihnen sind wie französische Zimmermädchen gekleidet, während andere Vibratoren mit 25 verschiedenen frei wählbaren Geschwindigkeiten und Ballknebel zur Anwendung bringen.
GROSSBRITANNIENTrotz des permanenten Geschreis der Regenbogenpresse, dass die Jugendlichen der Nation sich ab einem Alter von neun Jahren aufwärts alle sieben Minuten gegenseitig die Pullermänner in die Muschis stecken, ist 16 das offizielle Durchschnittsalter, in dem die Briten das erste Mal Sex haben. Das heißt allerdings auch, dass es seit dem Jahr 2000 um zwei Jahre gesunken ist. Und Statistiken von 2008 zeigen außerdem, dass trotz des Durchschnittsalters von 16 Jahren über zehn Prozent der Umfrageteilnehmer berichten, ihre Jungfräulichkeit mit 14 oder jünger verloren zu haben. Darüber hinaus ist die Rate derjenigen, die mit unter 20 Jahren Sex haben, nach Deutschland weltweit die zweithöchste. OK, vielleicht hat die Regenbogenpresse also doch ein bisschen recht. In der schockierenden Welt der sexuellen Umtriebe britischer Minderjähriger haben 43 Prozent der 16- bis 24-Jährigen bereits mindestens fünf Sexualpartner gehabt und einer von fünf hat es mit mehr als zehn Personen getrieben. Dies ist eine Nation, die sexuell gespalten ist, denn am anderen Ende des Spektrums sind es immerhin 14,4 Prozent der Befragten, die mit 25 Jahren immer noch Jungfrauen sind. Erfreulicherweise ist die Zahl der jungen Männer, die ihr erstes sexuelles Erlebnis bei einer Hure hatten, in den letzten zehn Jahren von 3,4 auf 0,4 Prozent gesunken. Schwangerschaften bei Teenagern sind nichts Neues, nehmen aber stetig ab. Im Vergleich zu ihrem Höhepunkt 1971 sind die Zahlen sogar rapide gesunken. Ähnlich wie bei dem Kontrast zwischen der hohen Zahl von Jungfrauen auf der einen und Nymphomanen auf der anderen Seite sind auch die Statistiken der Schwangerschaften unter Teenagern sehr ungleich übers Land verteilt—an der Spitze liegt immer noch Lambeth mit 80 von 1.000 Teenagermädchen, wohingegen es in Rutland County nur 18 von 1.000 Teenagern sind. Und Rutland hat noch nicht mal vernünftige Tischtennisanlagen in seinen Jugendzentren.
DIE NIEDERLANDEWenn die britischen Politiker sich mal wieder wegen der deprimierend hohen Anzahl von Teenager-Schwangerschaften in Rage reden, taucht früher oder später in der Regel irgendein Juniorminister bei Newsnight auf, der irgendwas darüber labert, dass man sich doch „ein Beispiel an der holländischen Einstellung zu Sex und Aufklärung nehmen solle“. Das kommt daher, dass die Statistiken ein überzeugendes Argument für einen liberalen Umgang mit diesem Thema bieten. So wie auch nur fünf Prozent der Holländer im vergangenen Monat Marihuana geraucht haben (verglichen mit zwölf Prozent der Amerikaner), scheint ihr extrem liberaler Umgang mit dem sexuellen Erwachen ihrer Teenager ebenfalls dazu zu führen, dass ihre Abtreibungsrate 20 Prozent niedriger ist als die der USA. Und sie haben nicht nur weniger Abtreibungen; es führen auch nur 12 von 1.000 sexuellen Abenteuern von Teenagern zu Schwangerschaften, während es in den USA erschreckende 72 sind. Entgegen der allgemeinen Peinlichkeit, die in den Staaten und Großbritannien bei diesem Thema um sich greift, akzeptieren die holländischen Eltern, dass Teenager starke sexuelle Bedürfnisse haben, die ihnen die Geschlechtsgegenden vernebeln. Sie wissen auch, dass diese jungen Leute diesem Drang nachgeben wollen werden und dass es daher für alle Beteiligten besser ist, wenn sie das nicht unbedingt auf dem Rücksitz von Onkel Piets Fiesta oder im Gästezimmer in der Ferienwohnung von Geerts Kumpels Vater in Delft machen müssen. Statt „Nicht unter meinem Dach“, heißt es hier, wenn Töchter ihren Freund mit nach Hause bringen, fast zwangsläufig eher: „Ja, du darfst dich von Joost in deinem Zimmer in den Hals vögeln lassen. Seht nur zu, dass ihr vor dem Abendbrot fertig seid.“ In den Niederlanden reden unaufgeregte, verständnisvolle und sexuell selbst extrem aktive Mütter und Väter davon, dass ihre Kinder „bereit“ seien, und stehen ihren Kindern wie große holländische Hippie-Geisterheiler mit Rat und Tat zur Seite, um sie bei der „emotionalen Vorbereitung“ auf ihren großen Augenblick zu begleiten.




ITALIEN
Die Italiener: Ein Land der Hengste? Wohl eher: der klapprigen Gäule, die kurz davor stehen, zu Hundefutter verarbeitet zu werden. Nicht genug, dass die italienischen Männer auch weiterhin bis zu ihrer Hochzeit bei ihren Eltern wohnen bleiben, laut den Statistiken warten sie im Durchschnitt auch bis sie über 20 sind, bevor sie ihre Salamis zum ersten Mal in die Cannoli ihrer Mädchen stecken—womit sie in ähnlichen statistischen Regionen landen wie solche Bastionen der sexuellen Freizügigkeit wie Ägypten, Kasachstan, Ecuador und die Philippinen. Aber während die Jugend den Sex meidet, sind die Erwachsenen umso mehr bei der Sache. Italiens Bevölkerungsgruppe der über 50-Jährigen erlebt gerade einen Boom sexuell übertragener Krankheiten. Wenn du also eh schon bei der Vorstellung davon, wie deine Eltern Sex haben, ausflippst, kannst du dir jetzt außerdem noch Sorgen über ihre mit Furunkeln übersäten Fahrgestelle machen.
FRANKREICH
Im Schnitt couchez-t der Franzose 130 Mal im Jahr—eine Rate, die sie mit erstaunlicher Kontinuität über die letzten 20 Jahre hinweg aufrechterhalten haben. Die französischen Teenager machen es öfter als alle anderen europäischen Teenager. Aber sie sind dabei um einiges treuer als z. B. die Engländer. Auf die Frage, ob es für jemand Mitte 30 normal sei, während seiner Zeit als Single mit mehr als zehn Partnern geschlafen zu haben, antworteten nur 30 Prozent der Franzosen mit Ja, verglichen mit 59 Prozent der Briten. Für 25- bis 34-jährige Männer ist die durchschnittliche Anzahl von Sexualpartnern acht; die Damen hinken mit fünf hinterher. Die Franzosen lieben es, auch beim Sex anderen Leuten beim Liebemachen zuzusehen, und es gibt eine ganze Menge haariger Achselhöhlen, sogar unter 20-jährigen Mädchen.
SPANIEN
Das Klischee, dass die spanischen Mädchen besonders sexgeil wären, das in den 70er-Jahren erfunden wurde, um mehr Pauschalreisen zu verkaufen, ist endlich Realität geworden. Heute steckt in jeder Handtasche ein Vibrator, und mit mehreren Partnern gleichzeitig oder zu dritt Sex zu haben ist bei den Mädchen, die wir kennen, sehr beliebt. Im Allgemeinen werden die Grenzen eher in Gesprächen unter Freundinnen als von den männlichen Partnern definiert, was auch heißt, dass sie in Beziehungen extrem eifersüchtig sind und nicht ganz mit gleichem Maß messen, wenn es um ihre eigene Promiskuität geht. Obwohl die Mädchen die Kirche, wenn es um vorehelichen Sex geht, mehr oder weniger unverblümt auslachen, scheinen sich ein paar Überreste katholischer Schuldgefühle doch in der Tatsache zu äußern, dass sie eher ungern Kondome verwenden. Nur 59 Prozent der Spanier ohne festen Partner benutzen die Gummis, und 30 Prozent der Teenager geben zu, sich oder ihren Partnern noch nie eins übergestülpt zu haben. Die meisten Mädchen bevorzugen die Pille. So ist es wenig überraschend, dass die Chlamydieninfektion die häufigste sexuell übertragene Krankheit in Spanien ist, von der laut verschiedener katholischer Quellen 70 VERDAMMTE PROZENT der Mädchen im Teenageralter bereits einmal betroffen gewesen sein sollen. Seit den letzten zehn Jahren ist in den Abtreibungskliniken mehr los als in einem 24-Stunden-McDonalds, nachdem die Clubs schließen. Die Rate der Schwangerschaftsabbrüche hat sich in diesem Zeitraum verdoppelt. Dafür ist die Anzahl der aus den Bäuchen gesaugten Föten und befruchteten Zygoten aber seit der Legalisierung der „Pille danach“ im letzten Jahr wieder gesunken—sodass 2010 4.000 Abtreibungen weniger durchgeführt worden sind als 2009. Die jüngsten Berichte über die Popularität der postkoitalen Empfängnisverhütung unter lateinamerikanischen Immigrantinnen scheint darauf hinzudeuten, dass sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzen wird. Die Einwanderung ist in Spanien momentan das wichtigste Thema und die Tatsache, dass Sex zwischen den unterschiedlichen Gruppen inzwischen als die Norm akzeptiert ist, ist sehr ermutigend. In Zeiten, wo die Migranten der zweiten Generation die Gymnasien füllen und große Städte wie Barcelona und Madrid alle Tourismusrekorde brechen, ist Spanien zu einem brodelnden Schmelztiegel der internationalen Körperflüssigkeiten geworden. Da hängen afrikanische Büstenhalter von den Deckenleuchten, liegen venezuelanische Unterhosen in den Kochtöpfen und norwegische Socken auf dem Boden. Jede einzelne Wohnung sieht aus wie eine sexy Dessousfabrik, die gerade von einer Bombe getroffen worden ist.

DER MITTLERE OSTEN
ISRAEL
Das Problem mit dem Sexleben der Israelis ist, dass sie es nicht schaffen, die Politik draußen vor der Schlafzimmertür zu lassen. Oder genauer gesagt, die Politik, verkleidet als Religion, verkleidet als Politik. Die Geburtenrate der häufig kopulierenden Ultraorthodoxen—die keine Verhütungsmittel verwenden und es als ihre göttliche Pflicht ansehen, das Land Kanaan mit „gute kleine leit“ zu bevölkern—übertrifft die der sekulären Juden bei Weitem. So stieg zum Beispiel die Gesamtfruchtbarkeitsrate der stark religiösen Ashkenazi Haredim von 6,91 Prozent 1980 bis 1996 auf 8,51 Prozent. Die Rate von 2008 wird sogar noch höher geschätzt. Die landesweite Fruchtbarkeitsrate liegt im Vergleich bei 2,61 Prozent. Davon liegt die der Juden bei 2,9 Prozent, die der Muslime bei 3,73, die der Christen bei 2,15 und die der „Anderen“ bei 1,56. Das läuft unterm Strich auf eine Bevölkerungsexplosion hinaus, durch die jegliche Bemühungen um eine Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern spätestens in 20 Jahren durch die Sprosse dieser hütetragenden Ultrakonservativen zunichte gemacht werden wird. Dafür hat Israel die mit Abstand liberalsten Homosexuellengesetze des Nahen Ostens, wofür sie von Yahweh auch umgehend mit der höchsten Rate sexuell übertragener Krankheiten der Region bestraft worden sind.

IRANDie Iraner sind Menschen wie wir. Wenn man sie piekt, bluten sie schließlich auch. Und wenn man ihnen mit schmutzigen Nadeln in die Arme sticht, bekommen sie ebenfalls HIV. Dass das so ist, bestätigen die Berichte des Gesundheitsministeriums, laut denen die Zahl der Infizierten bei 21.000 liegt, und das, obwohl außerehelicher Sex verboten ist und mit … lasst uns noch einmal nachschlagen …, richtig, dem Tod bestraft wird. 69 Prozent der Infektionen sollen durch schmutzige Nadeln und 8,9 Prozent durch ungeschützten Sex verursacht worden sein—wobei letztere Rate bei den Diagnosen der letzten zwölf Monate bei 18 Prozent liegen soll. 40 Prozent der an Aids Erkrankten sind zwischen 25 und 34 Jahren alt.
Aber entgegen der im Westen verbreiteten Vorstellungen herrscht im Herzen des iranischen Lebens ein Pragmatismus, der es Ärzten erlaubt, Mädchen im Teenageralter beizubringen, wie man ein Kondom benutzt (logischerweise unter dem Vorbehalt, dass sie dies nur innerhalb der Ehe und bei völliger Dunkelheit tun dürfen).
Dieser Liberalismus macht sich auch an anderen Stellen bemerkbar: Homosexuelle, die sexuelle Beziehungen unterhalten, haben laut Gesetz das Recht, sich eine von vier Formen der Hinrichtung auszusuchen: Strang, Steinigung, Zweiteilung mit dem Schwert oder von einer hohen Kante gestoßen zu werden. Kleiner Tipp: Nehmt auf jeden Fall die hohe Kante. Sogar seinen schwulen Penis ohne Penetration zwischen den Beinen eines anderen Mannes zu reiben wird mit 100 Stockschlägen bestraft. Wenn dieser Akt des Aneinanderrubbelns bereits drei Mal stattgefunden hat (und die 300 Stockschläge es auf wundersame Weise nicht geschafft haben, den Beteiligten die Lust daran zu verleiden), werden beide Männer hingerichtet. Aber ein Sünder, der sein schwules Verhalten bereut und gesteht, bevor er von „vier Zeugen identifiziert worden ist“, kann einer Strafe entgehen. „Küssen mit Lust“ unter Männern ist ebenfalls verboten, da die geistlichen Autoritäten die alte persische Tradition der extrem engen Beziehung zwischen Männern ausmerzen wollen: Vor dem Ayatollah waren Küsse unter Männern in diesem Land ein ganz normaler Ausdruck ihrer freundschaftlichen Verbundenheit. Sex ist ganz einfach eine Art Upgrade für das neue Jahrtausend.

SAUDI-ARABIENSaudi-Arabien ist kein Ort, wo man seinen Penis mal schnell irgendwo reinstecken kann. Die sexuelle Segregation hat zur Folge, dass Männer und Frauen einander so gut wie nie treffen, wenn sie nicht verheiratet sind. Für diejenigen, die das nicht sind, funktioniert der permanente Kontakt mit Leuten desselben Geschlechts logischerweise als eine Art gefängnisähnlicher Inkubator für Gelegenheitshomosexualität. Welche wiederum natürlich mit dem Tode bestraft wird; aber wahrscheinlich fällt es einem leichter, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen, wenn man schon so lange immer nur selbst mit seinem besten Freund gespielt hat. Im Gegensatz zu seinen zügellos liberalen Nachbarn im Iran veröffentlicht die saudi-arabische Regierung keine Aids-Statistiken—womit man wohl ausdrücken will, dass die Nation ein aidsfreies Wunderland aus guten kleinen Muslimen ist. Obwohl sie dauernd heimlich diesem fantastischen schwulen Gelegenheitssex frönen, sind die Saudis immer noch nicht zufrieden. Wie die saudische Zeitung Al-Madina berichtet, sind 45 Prozent der Männer mittleren Alters im Land unzufrieden mit ihrem Sexleben. Zehn Prozent sind wegen sexueller Probleme in medizinischer Behandlung und weitere zehn Prozent greifen anscheinend auf „Selbsthilfe“ zurück. Und die Frauen? Wen interessiert das schon? Nun, ein paar Leute interessiert es doch—aber auf jeden Fall sind die Frauen extrem unterdrückt.
PAKISTANDie pakistanische Gesellschaft ist auf so deprimierende Weise autoritär und so schrecklich verarmt, dass viele der ärmeren Männer keine Frauen finden und auf Prostitution angewiesen sind (das Gleiche gilt für Frauen). Viele verarmte Frauen sehen sich, wenn sie nicht verheiratet sind, gezwungen, auf den Strich zu gehen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Oh Mann, es sollte doch irgendeine Lösung für dieses Dilemma geben, oder? Obwohl die Prostitution wegen ihrer, wie es die Imame nennen, „völlig verdorbenen unislamischen Ausrichtung“, komplett verboten ist, gibt es in Wirklichkeit allein in Karatschi laut Angaben örtlicher Wohlfahrtsorganisationen mindestens 100.000 weibliche Sexarbeiter. Außerdem gibt es in dem Land geschätzte 50.000 männliche Sexarbeiter. Die sogenannten Malishias, die einst traditionelle Masseure waren, sind heute in Pakistan ein verbreitetes Synonym für Sex unter Männern, die ihre Kunden, wie es heißt, durch das „Massieren der Geschlechtsteile und die Masturbation“ anziehen. Wir sind uns fast sicher, dass die Technik in Die perfekte Masche direkt hinter dem Wort für „eine Frau aufreißen, indem man sie zunächst mit fiesen Sprüchen unsicher macht“ erwähnt wird. Die meisten sexuellen Dienstleistungen kosten zwischen einem und drei Dollar, also Preise, von denen die Kids, die eure Schuhe zusammennähen, nur träumen können. Gleichzeitig bestimmt der Preis, den ein Malishia, solange er einfach nur sein Auskommen haben will, verlangen kann, die Anzahl an Freiern, die er am Tag zu bedienen bereit sein wird. Die zuverlässigsten Statistiken deuten auf durchschnittlich 2,3 Freier pro 24 Stunden hin. Wie auch Thailand hat der indische Subkontinent eine blühende Ladyboy-Kultur. In Indien sind diese oft als erpresserische Bettler unterwegs, aber in Pakistan können sie als Prostituierte lukrativere Verdienstmöglichkeiten finden. Verglichen mit ihren männlichen Kollegen erfreuen sich Transgender-Prostituierte (Hijras) einer sehr viel größeren Nachfrage, was vielleicht auch der Grund ist, warum sie eine höhere Aids-Rate als sowohl männliche wie auch weibliche Sexarbeiter haben. Eine solche Hijra deutete kürzlich in einem Interview an, dass er/sie am Tag locker 20 Freier bedienen könnte—genug Nachfrage gäbe es jedenfalls.
SÜDKOREA 
Und es ist auch nicht einfach so, dass die Südkoreaner sexsüchtig, aber gleichzeitig verhütungstechnisch extrem vorsichtig wären. Sie haben schlichtweg überhaupt keinen Sex—ihre monatliche Sexrate liegt Berichten zufolge bei gerade mal 4,4 Mal, was sie nach den Taiwanesen zu der am wenigsten poppenden Bevölkerung der Welt macht. Alles in allem ist dieser lethargische Haufen in etwa die menschliche Entsprechung dieser Pandas im Zoo von Taipei, die sie in Negligés einkleiden.
Als ob ihre tristen Sexleben und die konstante Bedrohung von einer millionenstarken stehenden Armee schwarz gekleideter Kommunismusfanatiker im Norden nicht genug Grund zur Sorge wären, ist Südkorea zudem die Nation mit dem höchsten Anteil von Männern und Frauen, die angeben, dass sie „mit der Härte der Erektionen nicht wirklich zufrieden sind“ (85 Prozent der Männer und 76 Prozent der Frauen). Seltsamerweise ist es zudem das einzige nichtislamische oder judäische Land mit einer Beschneidungsrate von über 80 Prozent. Warum das so ist? Es gibt eigentlich keinen Grund—außer vielleicht den Kontakt mit der amerikanischen Armee in den 50ern, als koreanische Ärzte plötzlich anfingen, die Operation todschick zu finden
AUSTRALIEN 
Nicht nur geben die Australier drei Mal mehr pro Kopf für Pornografie aus als die Briten (insgesamt fast 2 Milliarden Dollar), sie stehen auch öfter als die meisten anderen Nationalitäten hinter der Kamera—ein Viertel der 2010 Befragten hatten Sexfotos ihrer Partner auf dem Handy und insgesamt hatten ein Drittel aller Männer und Frauen schon selbst pornografische Aufnahmen gemacht. Und tatsächlich scheint ihre Beziehung zur Pornografie die sexuellen Praktiken der Australier mehr beeinflusst zu haben, als das in irgendeiner anderen Nation der Fall ist. Über 2,5 Prozent der weiblichen Befragten gaben an, eine gepiercte Klitoris zu haben. 51 Prozent der Australierinnen rasieren sich die Schamgegend, während nur 10 Prozent sie natürlich lassen. Krasse 37,7 Prozent der Australierinnen mögen Analsex und nur 30 Prozent lehnen ihn ab. 27 Prozent der Männer verabreden sich regelmäßig per Telefon zu spontanem Sex und 29 Prozent der Frauen gehen auf diese Art Anrufe ein. „Augen zu und durch“ scheint für die Australierinnen ein Ding der Vergangenheit zu sein: 8,5 Prozent von ihnen haben heute fünf oder mehr Orgasmen beim Sex und 17 Prozent der Männer haben zwei Orgasmen.
Wie in jeder guten Sexkomödie sind es am Ende aber die Nachbarn, wegen der man sich die größten Sorgen machen muss: Die insgesamt freizügigsten Frauen der Welt gibt es nicht in Australien, sondern in Neuseeland.
USA 
Junge Amerikaner tun es immer öfter, aber sie tun es auch immer besser: 2007 gaben 62 Prozent der High-School-Studenten an, ein Kondom zu benutzen. 1991 waren es noch lediglich 46 Prozent. Natürlich folgt das Sexverhalten noch klaren ethnischen Trennlinien. Afroamerikaner machen 55 Prozent der HIV-Diagnosen in der Gruppe der 13- bis 24-Jährigen aus, während 48 Prozent der Mädchen mit diesem Hintergrund unter sexuell übertragenen Krankheiten leiden—verglichen mit je 20 Prozent der Weißen und Latinas.
Ältere Amerikaner ziehen sich—wie ihre holländischen und italienischen Altersgenossen—ebenfalls mehr sexuell übertragene Krankheiten zu, da der generationenübergreifende Sex heute dank des Internets eine attraktivere Option darstellt als ein Bingoabend in der Green Mountain Lodge. Eine kürzliche Studie hat ergeben, dass es heute 50 Prozent mehr sexuell übertragene Krankheiten unter Männern über 40 gibt als noch 1996. Dazu kommt noch, dass Männer, die Viagra benutzen, mit zweimal so hoher Wahrscheinlichkeit eine Geschlechtskrankheit haben als andere, was ja auch Sinn macht. Man kommt in ein Alter, wo man wahrscheinlich sichergehen will, dass der letzte Sex, den man möglicherweise hat, bevor man stirbt, nicht von einer Schicht Latex gestört wird. Und wenn man schon eine Pille nehmen muss, um seinen Schwanz hart zu kriegen, ist ein bisschen Brennen beim Pinkeln wahrscheinlich auch kein so großes Ding.
JAMAIKA 
Die leichte weiche Währung dieser sexuellen Dienstleistungen hat Jamaika zu einem internationalen Knotenpunkt des weiblichen Sextourismus gemacht—reiche westliche Frauen, die mit ihren Freundinnen in Urlaub fahren, um im Tausch gegen die übliche Palette von Bargeld oder Sachgeschenken mit den sogenannten „Beachboys“ zu schlafen. Laut Schätzungen kommen jedes Jahr 80.000 westliche Frauen für Sex nach Jamaika.
Von den an Aids erkrankten Jamaikanern sind 65 Prozent Frauen. Neun Prozent der Sexarbeiter haben Aids und ein ganzes Drittel der schwulen Männer ebenfalls. Aber im Gesamtdurchschnitt haben nur 1,6 Prozent der Jamaikaner Aids, womit das Land weit unter dem regionalen Schnitt von drei Prozent liegt. Inzwischen kommen sogar die Gesundheitsminister umliegender Länder nach Jamaika, um zu schauen, was sie hier über die Eindämmung des Virus lernen können. Vielleicht hat es etwas mit dem berüchtigten Hass der Jamaikaner auf die Batty Boys zu tun—dann wäre folglich die exzellente Prophylaxe der Homophobie die Lösung für die Region.
Wenn sie nicht gerade in der Menopause befindliche Hausfrauen aus Iowa vögeln, oder damit beschäftigt sind, kein Aids zu kriegen, treiben es die Jamaikaner mit einem Eifer, der all die alten Vorurteile zu bedienen scheint: 76 Prozent der Männer zwischen 15 und 24 gaben an, in den vorangegangenen zwölf Monaten mehr als eine Partnerschaft gehabt zu haben. Aber während Männer diesen Alters pro Jahr im Schnitt fünf Partner hatten, gaben ihre weiblichen Gegenparts lediglich verblüffende 1,4 Partner an. Jamaikaner sind also anscheinend: gut im Sex, schlecht in Mathe.
MEXIKO 
SÜDAMERIKA
BRASILIENDie Brasilianer sind die neuen Italiener. Sie haben nicht nur durchschnittlich im jüngsten Alter das erste Mal Sex—mit 16—sondern ihr Sex dauert auch länger als der praktisch jeder anderen Nation (wenn man ihren Angaben Glauben schenkt 30 Minuten). Russland liegt im Vergleich dazu mit zwölf Minuten pro Fick an zweitletzter, und die praktisch chronisch vorzeitigen Thais mit zehn Minuten an letzter Stelle. Und abgesehen davon, dass die Brasilianer sich permanent Bilder von schlecht genährten Kindern und Autounfällen vors geistige Auge führen, um ihre Ejakulation hinauszuzögern, haben sie außerdem auch noch mehr Sex als alle anderen: Sie haben mit 7,7 Mal pro vier Wochen die höchste durchschnittliche Sexrate der Welt. Die Benutzung von Kondomen ist in den letzten Jahren gestiegen, was sehr positiv ist, da jegliche Form der Abtreibung in Brasilien illegal ist und die Anzahl der Todesfälle bei illegal durchgeführten Abtreibungen folglich astronomisch ist. Die brasilianische Regierung war auch die erste, die eine Art Grußkarte erfunden hat, die man an seine ehemaligen Sexpartner schicken kann, um ihnen mitzuteilen, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit unter derselben sexuell übertragenen Krankheit leiden, die gerade bei einem selbst diagnostiziert worden ist. Auch sind ihre Ladyboys schöner als jede Frau und haben wegen der permanenten Anwendung von Kokosöl die weichste Penishaut der Welt.
NIGERIA 
In Nigeria gilt, wie an einigen anderen Orten der Welt auch, dass, wer du bist, bestimmt, was für Sex du hast. Eine Untersuchung der sexuellen Gewohnheiten der Männer, geordnet nach ihrer religiösen Zuordnung, zeigt, dass die Kategorie „Andere“ (die hauptsächlich aus traditionellen Religionen besteht) mit 30 Prozent die Bevölkerungsgruppe mit der „größten Anzahl von Sexpartnern“ ist. Sie wird gefolgt von Protestanten mit 28,9 Prozent, gefolgt wiederum von den Muslimen mit der angesichts ihrer Vorliebe für das Zunähen von Genitalöffnungen und der Anrufung des islamischen Rechts wenig überraschenden geringsten Rate von 12,5 Prozent. Unter Frauen geben nur die Katholikinnen (11,8 Prozent) und Protestantinnen (2,6 Prozent) an, eine „hohe Anzahl von Sexpartnern“ zu haben. Für Nigerianer ist Geld ebenso wichtig wie Religion, wenn es darum geht, wer mit wem schläft—dieselbe Studie ergab, dass Frauen und Männer mit „hohem Einkommensstatus“ mehr Affären haben.
NIGERDie Nigerer lassen die Amerikaner, was Schwangerschaften unter Teenagern betrifft, fast aussehen wie Südkoreaner. Sie haben mit 233 pro 1.000 (verglichen mit 55 pro 1.000 in den USA) die weltweit höchste Rate. Ihre Vorreiterrolle auf diesem Gebiet hat mit kulturellen Vorstellungen über arrangierte Ehen in sehr jungem Alter zu tun. Sie wollen auch nicht, dass ihre Titten vorzeitig verschrumpeln.
SÜDAFRIKASüdafrika ist im Prinzip eine permanente Castingshow für Team America’s „Everyone has Aids“. Deine Mutter, dein Vater, dein Bruder, dein Cousin, dein Gärtner, der Typ, dem der nette Delikatessenladen an der Ecke gehört … Aids ist das Wort auf allen Lippen und der Virus in allen Genitalflüssigkeiten. Die Verbreitung des HIV-Virus erreichte 2002 mit erschütternden 11,4 Prozent ihren Höhepunkt. 2009 war sie auf 10,2 Prozent gesunken. Und wie mit den meisten Dingen in Afrika sind es auch hier die Frauen, die am meisten zu leiden haben: bei einer Rate von 13,6 Prozent gegenüber der Rate der Männer von 7,9 Prozent. Jeden Tag infizieren sich 1.400 neue Personen mit HIV und sterben 1.000 Menschen an Aids. Obwohl Hilfsgelder und staatliche Fördermittel in Millionenhöhe für die Verbreitung von Safer-Sex-Informationen ausgegeben werden, mangelt es an guten Vorbildern in der Realität. Als der südafrikanische Präsident Jacob Zuma 2008 angeklagt war, eine bekanntermaßen HIV-positive Frau vergewaltigt zu haben, sagte er aus, dass er nach dem Sex mit ihr geduscht habe, um sein Infektionsrisiko zu mindern. Er ist inzwischen Vater seines 20. Kindes. Glücklicherweise sind private Firmen gern bereit, sich die Aufklärungspropaganda zu Herzen zu nehmen. Als Tau Morena letztes Jahr den ersten ausschließlich mit Schwarzen besetzten Porno drehte, bestand er darauf, dass alle männlichen Darsteller während des Drehs Kondome trugen. Am Ende des Drehs hatten sie eine komplette Gummiplantage aufgebraucht.
Passt auf euch auf, Kids!
ILLUSTRATIONEN VON JOHNNY RYAN
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