Egal wo ich bin, sobald Kreator spielt muss es ein guter Ort sein. Auch das vergangene EXIT-Festival in Serbien.
Da ich nicht den ganzen Tag mit Schwitzen und Bier trinken verbringen konnte, traf ich mich kurz vor seinem Auftritt mit Mille, um ein wenig über dies, das, die Hitze, den beschissensten Künstler des Festivals und Disneyworld zu quatschen. Hört sich für euch wahllos an? Ich bitte euch, es herrschten 42 Grad im Schatten…
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VICE: Hey Mille, wie lange darbst du schon hier in dieser Hitze?
Mille: Wir waren gestern schon in Belgrad. Und dann wollten wir quasi hier hin. Ähm, also ja. Wir sind gerade erst angekommen hier und schwitzen vor uns hin.
Das letzte Mal hatten wir euch ja zu eurem Ausflug nach Disneyworld, damals in den 90ern interviewt.
Disneyworld? Ja, ja, ja! Das war damals eine Zeit, da haben wir noch ganz viele Drogen genommen. Ich glaube es war LSD, was wir damals genommen hatten, sind dann da rumgelaufen und haben uns total gefreut, als dann die ganzen Figuren da ankamen. Wir haben uns total kaputt gelacht.
Ein paar Jahre zuvor habt ihr ja auch auf dem ersten Festival in der damaligen DDR gespielt.
Stimmt. Das war damals in Halle. Da waren dann noch Grönemeyer und Philipp Boa mit dabei und eigentlich sollte es ein Metal-Festival werden.
War das Festival politisch…?
Das ist die Frage. Ich sag mal ja, das war irgendwie so politisch. Wir haben ja auch schon zuvor im Osten gespielt. Eben auch dann in Polen und dort kamen sehr viele Leute aus der damaligen DDR und haben uns gefragt, ob wir auch mal in Berlin spielen. Da kamen wirklich viele Leute an, die meinten „Irgendwann spielt ihr in Ostberlin“. Eigentlich war das für uns nicht wirklich so ein Happening damals, weil wir waren ja quasi dabei, als die Mauer fiel. Und wir wussten natürlich, dass Helmut Kohl dafür Wählerstimmen haben wollte. Es war aber auch irgendwo und irgendwie abzusehen was da passiert. Es war ja nicht so, dass die Mauer von heute auf morgen gefallen ist. Man hat dann gehört, dass die Leute in Ungarn über die Grenze durften und so. Deshalb war es eine Sache, die man innerhalb von einem halben Jahr hat kommen sehen und für uns war das dann eigentlich nur eine logische Konsequenz, dass wir dann auch ein Konzert da spielen.
Würdest du sagen, dass die Fans in den ehemaligen Ostblockstaaten anders sind als in Westeuropa? Das EXIT-Festival hatte ja auch einen hochgradig politischen Hintergrund und existiert noch nicht so lange.
Ja, natürlich. Ich glaube, dass die Leute hier Musik noch einen ganz anderen Stellenwert geben, als anderswo. Eben dadurch, dass sie so dafür kämpfen mussten. Die politische Situation hier ist ja auch noch immer relativ undurchsichtig und auch korrupt. Definitiv korrupter als in Deutschland. Außerdem ist es so, dass neben Metal-Bands zum Beispiel auch Paul Kalkbrenner heute abend spielt. Das würde in Deutschland wahrscheinlich in dieser Form so nicht funktionieren.
Das ist ja auch einer der eher gleichgültigen Acts des Festivals…
Ja, Ich hätte gerne Arcade Fire gesehen, aber die haben ja gestern ja schon gespielt. Ansonsten noch Nick Cave mit Grinderman.
Was ist deiner Ansicht nach der beschissenste Act des Festivals? Ich denke ja mal Jamiroquai.
Oh, ja. Der ist schlimm.
Wie läuft es bei euch mit einem neuen Album? Das letzte ist ja auch schon etwas her.
Wir sind gerade dabei, ein neues Album zu schreiben.
Ihr habt auch das letzte mit Moses Schneider produziert. Moses Schneider hat das letzte von Tocotronic und Ja, Panik gemacht und ist totaler Hype. Arbeitet ihr wieder mit ihm?
Ja, gute Frage. Ich glaub, wir hatten das geplant und wollten das auch machen. Die Art und Weise wie Moses arbeitet, die ist natürlich gut, nur beim Spielen bleiben da die Gitarren auf der Strecke. Moses mag keine Gitarrensolos. Wir haben natürlich unglaublich viele Gitarrensolos. Moses ist jetzt auch dazu übergegangen, er hat mir das mal per Email geschrieben, dass er nur noch im Proberaum produzieren will und das geht für uns gar nicht. Also Moses hat Erfahrung und auch Gefühl. Wir wollten zurück zu den Wurzeln und werden deshalb mit einem neuen Produzenten arbeiten.
Jamiroquai trägt übrigens nun noch gestörtere Hüte.
Er ist schon wirklich sehr beschissen.



