OHRENKNABBEREI

Stephen J. Shanabrook ist ein Künstler, der ursprünglich aus Ohio kommt und ein paar Jahre lang um die Welt gegondelt ist, bevor er sich entschlossen hat, sich mit seinem Laden in New York niederzulassen. Er macht Pralinen mit Hilfe von Formen aus Leichenteilen, die er aus einem russischen Leichenschauhaus hat mitgehen lassen. Wir fanden das so aufregend und widerlich gleichzeitig, dass wir ihn unbedingt anrufen mussten.

Vice: Hi Stephen. Lass uns direkt zum Essentiellen kommen. Als du deine Leichenschauhauspralinen gemacht hast, musstest du da, na ja, die Leichen auch anfassen?

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Stephen Shanabrook: Ja. Im Nachhinein war es komisch, aber wenn du mittendrin bist, dann bist du einfach konzentriert und hast einen Grund f√ºr das, was du da tust und dann machst du es einfach. Mir ist erst hinterher klar geworden, wie krass das war.

Aber du hast deine Finger in tödliche Wunden von Leuten gesteckt.

Ich war so vorsichtig wie möglich. Ich meine, ich habe einfach gemacht, was notwendig war. Es war nicht wirklich invasiv, auch wenn die Pralinen es so aussehen lassen. Ich habe eigentlich nur Abdrucke von den Körpern gemacht und diese dann mit nach Hause genommen und aus diesen Abdrucken wieder Positiv-Abdrücke gemacht und aus diesen Abdrücken wiederum habe ich besondere Silikon-Formen gegossen.

Wie bist du überhaupt dazu gekommen, in Moskau Leichenpralinen zu machen?

Ich habe in Holland gelebt und zu dieser Zeit hat mir ein Kurator angeboten mit einer Gruppe holländischer Künstler nach Russland zu gehen. Ich hatte gerade eine Serie von Schokozähnen gemacht, die I Eat People They Eat Me hieß und mit Zähnen gemacht war, die ich von holländischen Zahnärzten bekommen hatte. Wir unterhielten uns über Moskau und sie erzählten mir von einer gigantischen Schokoladenfabrik mitten in der Stadt—einer alten, sehr berühmten Fabrik—und das hat mich zum Nachdenken angeregt.

Du musst eine Faszination für Leichen oder den Tod haben.

Nein, ich meine, ich würde nicht sagen, dass ich so etwas habe. Mein Vater war Arzt und ich habe in einer Schokoladenfabrik gearbeitet, als ich jung war.

Hat irgendwann mal jemand davon genascht? Ich meine von den Pralinen?

Ja, die Leute essen sie. Na ja, vor allem die Kinder bei den Ausstellungen, weil sie keine Angst davor haben. Sie wollen einfach nur die Schokolade.

Ha, Kinder! Die haben vor nichts Angst! Wie siehst du das ganze aus dem geschäftlichen Blickpunkt? Meinst du mit den Pralinen könnte man Geld verdienen?

Es macht bald ein modernes Kunstmuseum in Tasmanien auf und sie haben einen meiner Schokoladen-Selbstmordattentäter gekauft und ich habe außerdem besondere Formen angefertigt für Pralinen, die in ihrem Café verkauft werden.

Was für Pralinen sind das genau?

Die Leichenschauhaus-Schokolade. Aber ich habe wirklich sehr kleine Versionen davon angefertigt, weil die sie im Grunde nicht herausgeben wollen… wei√üt du, einfach so, zu einer Tasse Kaffee.

Ja, wie so eine kleine Schoko-Bohne, die man beim Italiener zum Kaffee dazu bekommt.

Ja, du bekommst ein kleines bisschen Schokolade.

Werden es die N√§hte und die Aug√§pfel sein?

Ich habe die Augäpfel ausgesucht, weil man sie in dieser Größe gut wieder erkennt.

Was ist mit den Schusswunden?

Sie sind zu groß für eine kleine Schokoladentafel.

Arbeitest du ausschließlich mit zerfleischten Kadavern?

Gerade arbeite ich an einer Show im September, in der ich Schokolade und Plastik verwenden werde. Ich sammle diese pharmazeutischen Flaschen, die ich dann in Formen pressen und erhitzen werde. Ich benutze daf√ºr die klassischen Schokoladenosterhasen-Formen, aber anstatt sie mit Schokolade zu f√ºllen, werde ich diese Fl√§schen mit hineinpressen…am Ende bekommst du also einen Schokoladenhasen, in den verschreibungspflichtige Medikamente eingegossen sind.

Das ist überhaupt nicht soziopathisch von dir. Jetzt habe ich auch keine Angst mehr vor dir.

ZOE DANIELS

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