"Ich hasse und liebe es, Fremden die Genitalien zu wachsen"

Du denkst, die Wachs-Enthaarung tut nur den Kunden weh? Kosmetikerinnen treffen auf Blähungen, sexuelle Belästigung und Kotbröckchen.

von Anonym; aufgeschrieben von Djanlissa Pringels
|
08 März 2018, 4:00am

Illustration: This is -Gary

Wachsen – also das Entfernen von Körperhaaren mit Wachs, nicht das Größerwerden – ist eine Kunst. Wenn wir Kosmetikerinnen an den Genitalien Fehler machen, kann es übel ausgehen. Bleibt das Papier der Wachsstreifen an der Haut hängen, sodass man den Bereich noch mal wachsen muss, wird es gefährlich. Dieses zweite Waxing kann blaue Flecken oder Verbrennungen verursachen – und sogar Schamlippen oder Hodensack einreißen.

Eine junge Waxerin – in der Fachsprache Depiladora – musste ich feuern, weil sie in der Mittagspause gekifft hatte. Die Kundinnen beschwerten sich, das Wachs fliege durchs ganze Zimmer und ihre Vulven seien hinterher verletzt.


Auch bei VICE: Die Cannabis Queen von Beverly Hills


Aber selbst wenn du komplett nüchtern bist, die richtigen Produkte verwendest und jahrelange Erfahrung mitbringst: Waxing kann so richtig schiefgehen. Im Winter haben die meisten Leute zum Beispiel rauere, trockenere Haut, die schnell aufplatzt. Vor allem die Haut um den Penis ist davon betroffen, weil sie recht lose und weich ist.

Der Sommer birgt andere Gefahren. In der warmen Jahreszeit kommen viele Neulinge zu uns, die sich mal schnell enthaaren lassen wollen. Oft haben sie keine Ahnung, wie schmerzhaft Waxing sein kann. Manche brechen nach ein paarmal Abziehen ab. Das sollte man sich also vor Augen halten, bevor man zum Termin geht: Es wird heftig. Frauen, die kurz davor stehen, ihre Tage zu bekommen, sollten es sich auch zweimal überlegen. In dieser Zeit ist die Haut empfindlicher und die Schmerzen können fast unerträglich werden.

Aber Waxing ist nicht nur für die Kundin oder den Kunden eine Herausforderung. Auch für uns. Die Genitalien der Kundschaft sind teilweise ekelhaft. Wenn ich jemandem ein brasilianisches Waxing mache, sehe ich manchmal ein kleines Stückchen Kot, das in den Arschhaaren hängt. Das muss ich dann mit einem Papiertuch diskret entfernen.

Als ich versuchte, sie zu wachsen, hörte sie einfach nicht auf, mir ins Gesicht zu furzen.

Vor Kurzem hatte ich eine Kundin, die mich vorher warnte: Sie habe vielleicht Blähungen, denn sie habe gerade einen Yoga-Kurs gegeben. Als ich versuchte, sie zu wachsen, hörte sie einfach nicht auf, mir ins Gesicht zu furzen. Irgendwann reichte es mir und ich schickte sie auf die Toilette. Dann habe ich noch eine Kundin, die sehr dick ist. Bei ihr muss ich meine Ellbogen einsetzen, um ihren Bauch aus dem Weg zu drücken.

Die größte Herausforderung ist allerdings, Männer zu wachsen. Denn Männer können Erektionen kriegen. Mehrere Kolleginnen haben mir schon erzählt, dass Männer ihnen mitten im Waxing die Hände vollejakuliert haben. Mir ist das noch nicht passiert, aber dafür hat ein Typ, der bei der Prozedur eine Erektion hatte, mich hinterher um ein Date gebeten. Bei solchen Typen ziehe ich den Streifen einfach ein bisschen brutaler ab.

Wegen solcher Typen hasste mein Ex es auch, wenn ich männliche Kunden hatte. Er wollte nicht, dass ich mit dem Penis eines anderen Mannes hantiere. Beim ersten und letzten Mal, als ich meinem Ex ein Waxing verpasste, fing er nach nur einem Streifen an zu weinen und schrie mich an, ich solle aufhören.

In meinem Job können zwar eklige Sachen passieren, und nicht immer läuft alles nach Plan. Aber die Arbeit an sich liebe ich. Die Kundschaft bittet uns um alles Mögliche – von Landebahnen über Dreiecke bis hin zu komplett kahl. Zum Valentinstag gibt es immer Leute, die uns bitten, ihr Schamhaar in Herzform zu stylen und rot zu tönen. Manchmal setzen wir auch noch einen drauf und dekorieren das Ganze mit einem Glitzerstein. Das Beste an meinem Job ist allerdings die Beziehung zu meinen Kundinnen und Kunden. Ich sehe sie monatlich, und das auf eine sehr intime Art. Dabei teilen sie oft ihre Geheimnisse mit mir. Aus meiner Sicht gibt es kaum stärkere Beziehungen als zwischen Menschen in meinem Beruf und ihren Kunden.

Die Autorin möchte anonym bleiben, um die Privatsphäre ihrer Kundschaft zu schützen.

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Snapchat.

Mehr VICE
VICE-Kanäle