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What The Ephemeropteræ!?

Ab 14. Juni bietet TBA21 wieder jeden Freitagabend Performances und Gastfreundschaft im Augarten.
10.6.13

Wenn etwas Ephemeropteræ heißt, ist das ja an und für sich schon Sprach-Performance. Dass diese aber noch lange nicht bei schwer zu lesenden und genauso schwierig auszusprechenden Namen stehenbleiben muss, zeigt die geheimnisvoll betitelte Performance-Reihe ab 14. Juni wieder an 12 Freitagabenden – oder flüchtigen Episoden, wie Kurator Boris Ondreicka die Performances betitel – im Augarten. Es gibt Trinken, Picknick-Körbe, Gelegenheit herumzulungern und ziemlich gute ungereimte Kunst gebaut aus Worten (aber trotzdem ohne Luftschloss).

Der Spoken-Word-Spaß Ephemeropteræ 2013 widmet sich den ganzen Sommer hindurch in 12 Etappen allen Ausprägungen der nassen Aussprache und des feuchten Stimmbandtraum(a)s—also quasi wie Rap, nur dass man beim Zuhören nicht cool sein und sich auch kaum bewegen muss. Wer die Hand trotzdem affirmativ bouncen lassen will, kann das durch rhythmisches Heben und Senken der mitgebrachten oder im ebenfalls brandneuen Café erstandenen Getränke tun.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist genauso frei wie die Kunst, die hier gezeigt wird. Was heißen soll: gratis, aber nicht umsonst, solange man einen kleinen Fetisch für Worte hat. Als erstes wird diesen Freitag übrigens die amerikanische Sprach- und auch sonstige Gewalt Wanda Coleman antreten. Die fast 70 jährige Amerikanerin hat schon mit Allen Ginsberg und Tomothy Leary die Bühne und vielleicht auch den einen oder anderen Streifen Löschpapier geteilt. Eigentlich wollte sie Pianistin werden, aber krankheitsbedingt waren ihre motorischen Fertigkeiten eingeschränkt, worauf sie ihre Stimme zum Instrument machen. Gemeinsam mit dem Isländer Asdis Sif Gunnarsdóttir, der die Texte Colemans in Bilder umsetzt, bestreiten die Künstler den ersten Abend am 14. Juni.
Die Performance beginnt wie gesagt erst um 19.oo, aber wir garantieren euch beim Barte des Barden, dass am Freitag die Sonne vom Himmel brennen wird und ihr es euch schon ab 15.oo gemütlich machen könnt. Wolfram legt auf und ihr wisst – es gibt auch den Picknick-Korb mit Essen und Wein.

Eine Woche später, am 21. Juni, folgt der Österreicher Lois Weinberger, der auch ganz ohne Worte kann—zumindest, wenn er gerade ein Video über einen Stechapfel macht, das er auf YouTube so beschreibt: "'Datura stramonium' zeigt die Zerstörung eines vertrockneten Stechapfels im Zustand einer Vertierung—als ob dies möglich wäre." Das passt gut, denn Weinberger ist ein Experte für so manche Kräuter, die sich zwischen Heilpflanzen und wahnsinnig machenden, psychoaktiven Erdgewächs bewegen.

Ähm, ja. Würde VICE auch auf YouTube DOs & DON'Ts machen, hätte ich jedenfalls schon eine Anekdote übers Stechapfel-Rauchen am Acker und einen Satz mit "Verstehe ich nicht, ergo Kunst" parat, was definitiv ein DO wäre. Das vollständige Programm findet ihr hier und wenn ihr auch nur einen Funken Kulturbegeisterung oder ein bisschen was für Parksitzen, Picknicken und Saufen übrig habt, solltet ihr keine Einzige Veranstaltung auslassen. Sonst fehlen uns wirklich die Worte (paTUSCH!).

Bevor wir euch mit einer kleinen Besserwisserei zum Titel entlassen, wollen wir euch noch auf ein paar Highlights des Sommers hinweisen. Zu Blixa -Das letzte Biest am Himmel- Bargeld müssen wir keine großen Worte verlieren und wir sind persönlich von euch enttäuscht, wenn ihr am 6. September um 19.oo nicht im Augarten steht.

Aber auch der 12. Juli wird euch mehr als jede Arte-Doku über die 60er und den Ursprung der Gegenkultur erzählen, die noch immer so ungefähr alles an Kunst beeinflusst, was ihr gerade cool findet. Ganz einfach deshalb, weil ihr da die Möglichkeit haben werdet, den 77-jährigen Beatnick John Giorno live mitzuerleben. Cut-up, Telefongedichte, Kassetten, Aids Aktivismus, Warhol-Schauspieler, you name it. Dieser Typ könnte vermutlich den ganzen Sommer über jeden Abend reden und ihr würdet ihm wie gebannt an den Lippen hängen.

Sex und Gender spielen sowohl am 19. Juli bei der Performance von Terror Drag Vaginal Davis & Johannes Porsch eine Rolle, als auch am 30. August, den wir euch besonders ans Herzen legen wollen. Da wird Clémentine Deliss gemeinsam mit Hassan Khan und David Adjaye einen Abend gestalten, der eure Wünschelruten ausschlagen und Brunnen mit Wasser füllen wird. Deliss gilt als Expertin in Sachen Erotik, und da vor allem in Zusammenhang mit afrikanischer Kunst, was in etwa so vielversprechend aussieht wie es klingt.

Apropos: Die von TBA21 (Thyssen-Bornemisza Art Contemporary) veranstaltete Reihe hat sich ihren Namen übrigens ein bisschen aus der Theaterwissenschaft geborgt. Als jemand, der früher auch mal im Hörsaal geschlafen hat, weiß ich, dass "ephemerisch" für die flüchtige, vergängliche, nicht fixierbare Natur von Kunst (wie eben bei Theater und Performance) steht. Ob "opteræ" mit einem alten Computerprozessor oder doch mit einem Roboter-Anime-Serie zu tun hat, kann ich jedoch auch mit Diplom nicht genau sagen.

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Das könnt ihr dann vielleicht im Rahmen einer eigenen Sprachperformance als Frage in den Raum werfen. HURZ!

Ephemeropteræ 2013

14. Juni bis 29. September

TBA21 Augarten, Scherzergasse 1A, 1020 Wien

Jeden Freitag ab 19:00 Uhr

KuratorInnen: Daniela Zyman, TBA21 und Boris Ondreicka