Wer in den letzten Jahren regelmäßig in Berlin gefeiert hat kennt ihn sehr wahrscheinlich: ZPYZ aka Ivan Georgiev. Für sein neues Album Download The Future ist Georgiev von der Partyhauptstadt in die totale bulgarische Einsamkeit geflüchtet. Wir haben ihn gefragt, wie genau es dazu kam und ob sich das auf seine Produktion ausgewirkt hat.
THUMP: Wie ist dein neues Album Download The Future entstanden?
ZPYZ: Mit der Produktion habe ich in Berlin begonnen, in meinem Studio in der Reichenberger Straße, die Ideen zu dem Album sind auch etwa zur Hälfte dort entstanden, bis kam irgendwann ein Zeitpunkt kam, an dem diese Stadt und ihr Nachtleben mich nicht mehr inspiriert hat sondern eigentlich nur noch gelangweilt … und vielleicht hate es mich auch ein bisschen bequem gemacht. Ich wusste, wenn ich in Berlin geblieben wäre, hätte ich das Album niemals beendet.
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Mir ist dann dieser Ort zwischen der Schwarzmeerküste und Sofia eingefallen: das Dorf, in dem meine Ur-Ur-Großeltern aufgewachsen sind, und das totale Gegenteil von Berlin. Da Leben 50 Leute und das sind alles Verwandte von mir.
Haha, und dort bist du jetzt hingezogen? Wie kann man da elektronische Musik produzieren?
Ja das ist wirklich ein bisschen schwierig. Ich habe das Haus meiner Ur-Ur-Großeltern zurückgekauft, das wurde so um 1890 gebaut und es gab dort nicht einmal Stromleitungen. Die ersten Monate konnte ich auch nicht arbeiten und habe die Zeit dafür genutzt, an der Gitarre Ideen zu sammeln. Aber das hab ich alles hinbekommen und unter widrigsten Bedingungen jetzt endlich das Album fertig bekommen. Den ersten Song „Bore Myself To Death” hatte ich, als der Strom dann da war, innerhalb von einer Stunde fertig, weil alles schon im Kopf angelegt war.
Wie ist denn jetzt so das Leben in der Pampa?
Das Berliner Nachtleben ist ja eigentlich auch wie im Dorf, irgendwann kennst du jeden, du verliebst dich in die Frau deines Nachbarn, du bekommst Hausverbot, wo du zuvor noch gern gesehener Gast warst und so weiter. Das ist hier nicht anders. Aber hier ist das Leben komplett stehengeblieben vor etwa 100 Jahren. Hauptverkehrsmittel sind Pferd und Esel, ich habe aber auch schon ein Schwein gesehen, dass eine Kutsche gezogen hat. Internet ist ein Fremdwort, alles ist aus Lehm und Stein gebaut, sehr surreal und langsam. Und die Abgeschiedenheit fühlt sch manchmal an wie ein kalter Entzug.
Und wie kommst du damit klar?
Am Anfang hat es mich komplett erschlagen, auch dass es hier zum Beispiel niemanden gibt, mit dem ich reden kann. Aber danach war es richtig erlösend. Ich zupfe jetzt jeden Morgen meine Kräuter im Garten und mache mir einen Tee, danach geht’s ins Studio, wo ich mir erstmal die Produktionen vom Vortag anhöre und neu einordne. Dann entstehen die neuen Skizzen und am Ende wird aussortiert. Das ist mein Alltag hier, es gibt sonst nichts, was ich sonst hier tun könnte und ich arbeite bedingungslos an meinen Tracks.
Ist das auch die Geschichte, die du mit deinem Album Download The Future erzählen willst? Von einem Extrem ins andere?
Ja, ein bisschen schon. Ich lebe hier ja in einer anderen Zeit, 100 Jahre in der Vergangenheit. Und als ich irgendwann hierher gezogen bin aus Berlin, habe ich gemerkt: Berlin, das ist die Stadt, in der die Zukunft der Musikgeschichte geschrieben wird. Und ich als Berliner bin Teil davon und gebe damit den Leuten die Möglichkeit, mit einem Klick, mit dem Download des Albums auch die Zukunft runterzuladen.
Download The Future ist am 27.3. bei ZPYZ Records erschienen. Hier bekommt ihr es digital und als CD.
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