Vor ein paar Monaten wurde der belgisch-marrokanische Repräsentant von Sharia4Belgium auf seinem Weg zu einem Protest gegen das Verbot von Burkas in Paris, wo wir ihn eigentlich für ein Interview treffen wollten, inhaftiert und ausgewiesen. Da wir nicht mit Abu sprechen konnten, endete es damit, dass wir mit seinen Brüdern auf dem Parkplatz eines französischen Supermarktes abgehangen haben.
Es war ein interessanter Nachmittag, aber leider konnten dort meine wichtigsten Fragen zu Sharia4Belgium nicht beantwortet werden, also traf ich mich den Montag darauf mit Imran in einem Kebap-Laden in Antwerpen.
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Imran ist die Stimme von Sharia4Belgium und Sharia4Holland, zwei Gruppen, über die in den holländischen Medien eine Menge diskutiert wird, denen aber nicht die Möglichkeit gegeben wird, für sich selbst zu sprechen.
Zum Beispiel hat am 22. Dezember eine holländische Zeitung namens Trouw einen Artikel über Sharia4Holland herausgebracht, der ein Youtube-Video enthält, in dem Imran die Queen dazu aufruft, zum Islam zu konvertieren. Die Zeitung bat einen Terrorismus-Experten, einen Kommentar zu dem Video abzugeben, und behauptete das Sharia4Holland nicht bereit dazu gewesen wäre. Am nächsten Tag adaptierten andere Zeitungen die Geschichte mit einem Statement von Parij voor de Vrijheid (PPV), einer rechtsextremen Organisation Hollands, die sich dafür einsetzt, dass jeder, der Mitglied einer islamischen Gruppe ist, aus Holland ausgewiesen wird.
Einen Monat später berichteten Geenstijl, Spitsnieuws, PowNed und De Telegraaf, alles teils rechte Medien, über ein neues Video, welches Sharia4Belgium auf ihrem Youtube-Channel hochgeladen hatten. In diesem Video wird Geert Wilders–Generalsekretär der PVV– darüber in Kenntnis gesetzt, welche Gefahren es birgt, wenn er mit dem Verkünden anti-islamischer Botschaften fortfährt. De Telegraaf berichtete darüber unter der Headline: “Muslime drohen Wilders”
Enttäuschender Weise wurde auch darin keine Konversation mit einem der Mitglieder gedruckt.
Genauso war es im März 2010, als Abu Imran und eine Gruppe von Sharia4Belgium-Mitgliedern eine Lesung unter dem Titel “Lang lebe Gott, weg mit Allah” des belgischen Schriftstellers Benno Barnard an der Universität Antwerpen unterbrachen. Danke für die großartige Videoaufnahme während des Protestes (oben), das Publikum war riesig. Eine Gruppe junger Männer mit Bart riefen “Allahuh Akhbar”, als es gerade ruhig war, und darüber wurde dann geschrieben. Der rechte Politiker Filia Dewinter benutzte dies (mal wieder), um zu zeigen, wie gefährlich Immigranten sind. Netwerk, ein holländisches Magazin, zeigte auch die Bilder der schreienden Muslime im Lesesaal und redete mit Barnard darüber, aber Abu Imran war natürlich nie mit einbezogen.
Ich wollte mit Abu Imran von Mann zu Mann reden und ihn fragen, wer die Mitglieder der Organisation sind, was sie machen und was sie wollen. Als ich am Kebab Laden ankam, bemerkte ich einige der Jungs, die wir damals auf dem Parkplatz in Frankreich trafen. Einer von ihnen, der sehr aggressiv darauf bestand, das einer der Fotografen ein Bild löscht, das wir von ihm gemacht haben, war dieses Mal um einiges freundlicher. “Ich gehe auf eine katholische Schule,” sagte er, “alle meine Lehrer und Mitschüler hassen Sharia4Belgium. Ich wollte nicht, dass sie mich sehen. Aber ich verlasse die Schule in einer Woche, also ist es jetzt OK.”
Nach ungefähr 10 Minuten kam Abu Imran und seine Begleitung, zwei Männer in Djeballas, in den Laden. Wir interviewten ihn im Hinterzimmer des Restaurants.
Vice: Wer bist du und welche Rolle spielst du bei Sharia4Belgium und Sharia4Holland?
Abu Imran: Ich bin Abu Imran, Sprecher von Sharia4Belgium und Sharia4Holland, zumindest vorläufig. Meine Brüder und Schwester haben mich gewählt. Ich bleibe in dieser Position, bis sie uns Bescheid geben. Sie müssen sich noch darauf vorbereiten, in die Öffentlichkeit zu gehen.
Wann wird das geschehen?
Ich schätze mal, diesen Sommer.
Wer ist in der Organisation?
Wir sind eine Organisation von jungen Menschen, die es leid sind, die Attacken auf unsere Ummah einfach so hinzunehmen. Die Muslime weltweit reagieren sehr schwach darauf, meistens sogar gar nicht. Viele Muslime werden durch den Westen und seine Propaganda terrorisiert oder unterdrückt. Außerdem probieren wir, zu unseren Wurzeln zurückzufinden, den islamischen Regeln, der islamischen Kultur und natürlich der pursten Form unseres Glaubens, welche auf dem Koran und den Traditionen unseres Propheten basiert. Friede sei mit ihm. Einige meiner Brüder wollen, dass ich strikter in meinen Statements bin, aber ich bleibe lieber besonnen.
Was ist das Ziel eurer Organisation?
Allah zufrieden stellen. Das wird durch die Dominanz der richtigen Religion passieren. Das bedeutet Islam. Wir probieren eine klare Botschaft zu vertreten. Wir probieren klar zu machen, wie der Islam funktioniert, ohne Kompromisse—keine versteckten Aussagen. Ich glaube, wir sind die erste Organisation in der Geschichte Hollands und Belgien, die ganz klar sagt: Wir wollen, dass in Europa der Islam dominiert. Es gibt keinen Muslim, der daran zweifelt. Und die, die es tun, wissen nicht, wovon sie reden, oder es liegt einfach in ihrer Natur zu zweifeln. Aber wir sind uns in der Hinsicht sicher. Außerdem beschützen wir die Ummah vor Angriffen. Militärische, ökonomische und politische Attacken auf unsere Gesellschaft werden jeden Tag getätigt. Wer reagiert darauf? Wir sind nichts besonderes, aber jemand muss darüber sprechen. Unsere Videobotschaft an Geert Wilders zum Beispiel. Das muss aufhören, jemand muss die Wahrheit sagen. Ich meine, wo hört das sonst auf? Erst das Verbot von Kopftüchern in Belgien, danach das Burkaverbot in Frankreich. Worin endet das? Eine Prohibition auf das Recht ein Muslim zu sein? Was ist der nächste Schritt? Wir haben gesehen, was 1995 in Bosnien geschehen ist.
Bist du auch der Anführer beider Organisationen?
Nein, ich bin nur ihr Sprecher.
Wer ist der Anführer? Wie viele Mitglieder habt ihr? Wer finanziert die Organisation?
Unsere Struktur behalten wir für uns. Einfach aus Sicherheitsgründen. Du kannst sehen, wie oft wir in den Medien angegriffen werden. Wenn alles an die Öffentlichkeit gelangt, sind wir ein leichtes Ziel. Wenn Abu Imran morgen beiseite geschafft wird, oder festgenommen, wird es einen zweiten Abu Imran geben und so weiter und so weiter. Aber unsere Struktur und unsere Mitgliederzahl sind unsere eigene Sache. Wir werden von vielen Menschen auf der Straße unterstützt, die gutheißen, was wir tun.
Wie viele Mitglieder habt ihr ungefähr? 100? 1000?
Schau, die Leute, die an die Sharia glauben, die Menschen, die an die Dominanz des Islams glauben, sind eineinhalb Milliarden auf der ganzen Welt. Wenn jemand sagt, er steht zu seinem Glauben, verfolgen wir das gleiche Ziel. Wenn man andere muslimische Organisationen in Holland ankuckt, die versucht haben, uns anzugreifen, haben die nie über unsere Grundidee geredet. Niemand hat gesagt: Das ist nicht der Islam. Sie sagen: Ihr seid schwach in eurer Ausführung, manche eurer Aktionen müssen verschoben oder ganz weggelassen werden und nicht direkt durchgeführt. Was auch immer, wir haben keine Agenda. Lasst euch durch den puren Islam leiten.
Erhaltet ihr eine Menge Drohungen?
Natürlich. Es gibt belgische Soldaten, die Sachen schreiben wie: “Ich bin Scharfschütze in der belgischen Armee, und wenn ich euch sehe, mache ich dies und das.” Aber wir werden auch von den Unterstützern des rechten Blocks bedroht, Vlaams Belang und so weiter. Eigentlich macht es uns sogar froh, dass der Secret Service unsere Telefonate mithört. Nicht, dass wir Angst hätten, aber es ist trotzdem eine extra Sicherheit. Außerdem können sie ruhig alles mithören, denn alles, was wir sagen und denken, soll sowieso nach außen dringen.
Abu Imran (rechts) und zwei seiner Brüder.
Woher kommen eure Mitglieder?
Wie haben viele Konvertiten–Leute aus der Türkei, Somalien, Pakistan, Afghanistan–Menschen mit jedmöglichem ethnischen Hintergrund. Keiner von uns ist ein Opfer der Gesellschaft, wir sind keine frustrierten Menschen, die aufgrund dessen in die extreme Form des Islams umsteigen, so wie es Benno Barnard war. Wir sind alles Muslime, die aus Liebe zum Islam handeln.
Ich verstehe, warum ihr die Demokratie verurteilt.
Es gibt keinen Muslim auf der ganzen Welt, der die Demokratie nicht verurteilt. Ich weiß, dass es eine Art Statement ist, aber Demokratie ist das radikale Gegenteil des Islams. Demokratien basieren auf den Gesetzen eines Menschen. Allah entscheidet über die Gesetze, nicht der Mensch. Das ist ein fundamentales Problem. Außerdem glauben wir nicht an die Trennung von Kirche und Staat. Aber schau, was uns die Demokratie eingehandelt hat—eine ökonomische Krise. Ein Land, das 100 Tage ohne Regierung ist. Wie kann jeder behaupten, Demokratie sei eine wunderbare Sache? Deshalb würden wir gerne mit Wilders debattieren. Er kann seine Sicht auf die Demokratie darlegen, wir unsere auf den Islam. Dann werden wir sehen, wer die Debatte gewinnt. Ich glaube, ich kann seine Ideen innerhalb von 20 Minuten vor dem holländischen Publikum entlarven.
Wie genau wird Europa von der Demokratie in die Gesetze der Sharia überwechseln?
Viele Menschen fragen uns das. Die Sharia ist nichts, was wir selbst einführen könnten. Die muslimischen Bruderschaften in Ägypten, Syrien und Algerien haben gesagt, sie werden die Sharia in die Demokratie mit einbauen, aber das ist unmöglich. Die Demokraten selbst sagen: “Wir wollen einen zivilistischen, demokratischen Islam gemäß unseren Moralvorstellungen.” So laufen die Dinge natürlich nicht. Schau dir den Propheten an, der die Sharia in Medina verbreitet hat—dort waren gerade einmal 2 % der Bevölkerung muslimisch. Er hat es einfach dadurch geschafft, dass er den Menschen Alternativen aufgezeigt hat: Wir wecken die Menschen auf. Wir glauben, wenn jeder sich unserer Botschaft bewusst würde, würden alle einwilligen, für die Durchsetzung der Sharia zu sterben.
Also wollt ihr sie so stark wir möglich propagieren und so oft in den Medien auftauchen, wie es nur geht?
Bei allem Respekt, aber wir leben nicht für die Medien. Wir haben Meetings, Foyer und einen Youtube-Channel, um unsere Botschaft zu verbreiten.
Was genau enthält das Gesetz der Sharia?
Neben anderen Sachen: Jede Art von Ausbeutung der Frau ist illegal; alles, was zum Ehebruch führen könnte, wird untersagt; Alkohol wird illegal sein; ein gebildeter und gläubiger Mann wird der Kopf des Staates sein; der Koran wird bis ins Allerkleinste befolgt, er ist perfekt, weil Allah ihn uns gegeben hat; Dinge, über die der Koran nicht aufklärt, werden von gebildeten Koranexperten gelöst; und das Land wird befreit sein von der NAVO und allen anderen Organisationen, die unsere Ummah angreifen. Aber die Sharia ist auch eine Lebenseinstellung. Sie beeinflusst, wie du arbeitest, heiratest und mit anderen Menschen interagierst. Es wird nicht so viel anders sein, als das Leben jetzt, der einzige Unterschied ist, dass der Koran die Literatur ist, der gefolgt wird.
Was ist mit Musik?
Wir sagen uns davon los, denn sie kann zu komischen Dingen führen. Schau dir die Rap-Musik an und den Aufständen, die es im East und West Coast Rap gibt. Diese unglaubliche Dummheit hat zum Tod Tupacs und Notorious B.I.G’s geführt und natürlich vieler anderer junger Männer.
Und was ist mit dem Beef zwischen 50Cent und The Game?
Davon weiß ich nichts.
Kriegt ihr viele neue Mitglieder?
Wir kriegen jeden Tag neue Mitglieder.
Sind es meistens junge Menschen?
Alle Altersklassen, aber es ist Fakt, dass jüngere Menschen einfach lebendiger sind. Unsere Zukunft gehört ihnen. Es gibt keine Revolution, die nicht auf den Schultern junger Menschen aufgebaut wurde. Menschen, die schon 70 sind, werden nicht mit uns durch die Straßen laufen, aber sie unterstützen uns mit ihren Gebeten an den Schöpfer.
Wie ist die Organisation aufgebaut? Gerade befinden wir uns im östlichen Teil der der Stadt im Zentrum von Antwerpen, ist hier euer Hauptquartier?
Nein, es ist nur ein Ort, an dem wir uns gerne aufhalten. Wir haben Mitglieder über ganz Belgien und Holland verteilt.
Anjeb Choudary, Anführer von Sharia4UK, ist ein Bekannter von euch. Wie sind die Beziehungen zwischen ihm und Sharia4Belgium und Sharia4Holland?
Er ist unser Bruder, aber nicht unser Anführer. Er ist älter als ich und erfahrener. Aufgrund dessen stehen wir in Kontakt und ich rufe ihn manchmal an. Aber er ist nicht der Anführer von Holland und Belgien. Wir geben uns von Zeit zu Zeit Ratschläge, aber Ratschläge können von überall kommen. Wenn sie nützlich sind, nutzen wir sie.
Kannst du uns ein Beispiel eines Ratschlags geben, den du von ihm erhalten hast?
Ein Beispiel: Greif keine Muslime an, um unsere Reihen zu schließen. Unser Problem ist die Demokratie, nicht die Muslime.
Unterstützt er euch finanziell?
Das behalten wir für uns.
Musstet ihr eine Art Prüfung oder Test bestehen, um Sharia4Belgium beizutreten? Und was passiert, wenn ihr austretet?
Wir sind kein Kult. Wir haben keine Rituale wie die Skulle in Amerika. Jeder, der helfen will, ist willkommen. Jeder, der gerne etwas anderes machen würde—kein Problem. Aber es geht nicht um die Organisation oder die Menschen darin. Es geht um unsere Botschaft.
Wie seid ihr auf den Namen Sharia4Belgium gekommen?
Der Name weckt Aufmerksamkeit. Jeder, ob Muslim oder nicht, weiß sofort, wofür wir stehen. Wenn wir die Organisation etwa “Jewish4Belgium” genannt hätten, und dann über die Sharia reden, wäre das irgendwie dämlich, oder nicht?
Probiert ihr, die Leute verrückt zu machen?
Wir provozieren Menschen auf positive Weise. Wir beleidigen niemanden und wir bleiben beim Gesetz. Wenn sich jemand angegriffen fühlt, kann er vorbeikommen, und zusammen können wir dann schauen, inwiefern wir ihn beleidigt haben. Wenn wir es getan haben, werden wir uns freundlich entschuldigen. Nicht so wie Wilders, es ist nicht unsere Absicht, jemanden zu verletzen oder anzugreifen… denn für Wilders ist es das. Wenn er sich verletzt fühlt, sind wir stolz. Er kann zur Hölle fahren.
Die holländischen Medien beschuldigen euch, Geert Wilders gedroht zu haben.
Das stimmt nicht. Der Artikel im Telegrafen hatte eine inakzeptable Überschrift. Sie nannten mich den Anführer Sharia4Hollands. Das bin ich nicht. Zweitens: Ich habe Wilders bedroht? Nicht wirklich. Schau dir das Video an, ich habe ihn nicht bedroht. Auch im Video sage ich, dass ich ihn nicht bedrohe. Ich habe nur meinen Schöpfer aufgerufen, ihn zu zerstören, aber jeder Muslim will das: dass er verschwindet. Ich habe ihn nicht bedroht.
Was würdest du machen, wenn du durch Zufall auf ihn triffst?
Haha, keine Ahnung, er ist immer umgeben von Bodyguards, also könnte ich ihm nicht einmal nahe kommen. Keine Chance.
Was wenn er nicht von diesen umgeben wäre?
Zu Anfang, sich ihm annähern und fragen, was sein Problem ist.
Was denkst du darüber, dass Salman Rushdie sich, nachdem er “Die satanischen Verse” veröffentlicht hatte, verstecken musste?
Er wollte, dass das Buch interessant wird, was will man dagegen sagen? Das Gleiche gilt für diesen dänischen Cartoon Zeichner. Er stellte sich auf die Seite der Demokratie. Er kann das auch gerne tun, aber er zahlt den Preis dafür: seine Sicherheit.
Was denkst du darüber, dass der holländische Regisseur Theo Van Gogh umgebracht wurde, dessen Film “Submission” die Behandlung der Frau im Islam kritisiert?
Schau, Terrorismus zu glorifizieren ist strafrechtlich verfolgbar. Also werde ich nicht sagen “Yeah, super, ich war sauglücklich drüber.” Ich bin traurig, dass es soweit kommen musste. Dass jemand sein Leben geben musste, weil er eine Gesellschaft beleidigt hat. Aber was erwartest du?
Ich glaube sein Leben wurde genommen, er hat es nicht “gegeben”.
Wie du meinst. Unser Prophet und unser Glaube sind nicht dazu da, verspottet zu werden.
Was machst du in deiner Freizeit?
Als Sprecher ist es nicht so, dass ich allzu viel Zeit zum relaxen hätte. Eins unserer Hobbys ist es, Wissen auszutauschen. Dazu veranstalten wir viele Veranstaltungen für Kinder. Gestern haben wir ein paar Runden Fußball gespielt. Meine Muskeln tun immer noch weh davon. Und vor Kurzem sind wir mit ein paar Brüdern in eine Berghütte in Belgien gegangen, um dort etwas zu entspannen und unsere Liebe untereinander und die Bruderschaft zu stärken.
Wer sind die Leute in Sharia4Holland?
Ich möchte das jetzt nicht beantworten. Diese Brüder bereiten sich auf den Moment vor, an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie müssen sich noch klar darüber werden, was sie tun können und was sie sagen, bzw nicht sagen dürfen. Aber sie werden wahrscheinlich diesen Sommer an die Öffentlichkeit gehen.
Hast du irgendeinen Kontakt zu Terroristen, wie al-Qaeda? Haha, nein. Wir sprechen in der Öffentlichkeit, wir geben Interviews und wir haben einen Youtube-Channel. Glaubst du wirklich, wir hätten was mit Terroristen zu tun, wo wir doch so offen mit unseren Überzeugungen umgehen?
Würdet ihr Gewalt anwenden, um an eure Ziele zu kommen?
Nein. Wir reagieren nur, wenn etwas gegen unsere Gesellschaft gerichtet ist. Schau, wir müssen uns nicht selbst belügen, es ist der Westen und die Regierung, die uns angreift. Wir sind die Opfer–die Schuldigen sind auf der anderen Seite. Ich möchte uns nicht als Opfer portraitieren, aber man muss realistisch sein. Wo führt das alles hin? Habe ich Filip Dewinter gefragt: Was beabsichtigt ihr? Was ist der Grund dafür, unsere Gesellschaft zu kriminalisieren? Probierst du Milosevic zu imitieren? Denn wenn das dein Anliegen ist, wird es einen Zusammenstoß der Zivilisationen geben. Wir wünschen uns keine Gewalt. Alles, was wir wollen, ist mit allen harmonisch zusammenzuleben. Jeder, der Muslim sein will, soll Muslim sein, und jeder, der Christ sein will, soll Christ sein. Für jeden seine eigene Religion. Das ist ein Satz im Koran. Aber warum greift ihr unsere Gemeinschaft an? Wir sind keine Hindus. Wir halten euch nicht die linke Wange hin, wenn ihr unsere rechte schlagt. Aber das Blatt hat sich gewendet. Deswegen sagen wir der Regierung, sie soll ihre Truppen aus Afghanistan zurückziehen.
Du wurdest in Frankreich festgenommen und zurück nach Belgien gebracht, als du gegen das Burkaverbot demonstrieren wolltest. Kannst du uns mehr darüber sagen?
Am Ende einer vollen Straße stoppte die Polizei mich und meine Brüder, sie hatten unsere Nummernschilder aufgeschrieben und haben auf uns gewartet. Sie brachten mich zu einer Polizeistation und sagten mir, dass ein Verfahren in Marokko gegen mich läuft, was absoluter Schwachsinn ist. Sie sagten mir, ich soll Papiere unterschreiben, die es ihnen erlauben, mich nach Marokko zu bringen, aber natürlich tat ich das nicht. Dann habe ich sehr lange gewartet, bis Sakozys Sekretär bei der Station anrief, um ihnen zu sagen, ich müsste rausgelassen werden. Ein paar belgische Polizisten kamen, nahmen mich mit und fuhren mich nach Antwerpen, wo sie mich einfach mitten in der Nacht irgendwo rausschmissen.
Wie war deine Kindheit?
Genauso wie bei vielen anderen Brüdern auch—nicht sonderlich anders als die anderer Leute. Die Menschen denken, ich bin sehr frustriert, aber das bin ich nicht. Es ist nicht so, dass ich mich an der Gesellschaft rächen will, weil sie mich schlecht behandelt hat.
Wie alt bist du?
29.
Was ist dein Lieblingsfilm?
Lieblingsfilm? Warte. Achja, Rambo III, haha. Rambo vernichtet die Russen in Afghanistan und hilft den Taliban.
FOTOS: BOUDEWIJN BOLLMANN
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