Aus Glasgow kommen seltsame Getränke wie Irn-Bru, eine weiterhin enorme Statistik von Gewaltverbrechen, aber auch eine Menge großartiger elektronischer Musik. Die Stadt ist seit einigen Jahren ein tonangebender Hot Spot der basslastigen elektronischen Szene des UK, wobei freilich an vorderster Front das Label LuckyMe steht. Auch Grime erlebt großflächig eine gewisse Renaissance, vor allem in Form der tendenziell instrumentellen Variante New Grime, wenn man sie so nennen will. Artists wie Murlo, Slackk, DJ Milktray und Inkke werden in sämtlichen Radio Mixes der britischen Tastemaker von RinseFM bis Boiler Room gespielt.
Inkke ist ein Vertreter aus eben jenem rauen Hot Spot Glasgow, der diesen Samstag bei der Partyreihe Vihanna im Wiener Club Dual seinen ersten Gig in Mitteleuropa gibt. Aus diesem Anlass haben wir ihn mal zu der Glasgower Szene und seiner Musik ausgefragt.
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Noisey: Die Nachricht an dich mit „Hey, die Musik die du spielst, ist total beleidigend“ ist ziemlich lustig. Wie war deine Reaktion darauf?
Inkke: Haha, eigentlich ging das an Butt Rodgers am Ende seines Sets bei einem Ghettotech-Abend.
Welche Nummer war gemeint?
DJ Assault „Take it in the face“. Sogar noch raufgepitcht.
Ist das Ausgehen in Glasgow anstößiger als anderswo?
Clubmusik in Glasgow unterscheidet sich nicht von anderen Städten. Es ist ganz einfach Clubmusik. Der Gast, der sie geschrieben hat, wusste wohl nicht, dass es eine Ghettotech-bzw. Juke-Party war. Da kommt es schon mal vor, dass die Texte sexuellen Inhalt haben. Ist so.
Hast du selbst einmal eine Nachricht an einen DJ geschrieben?
Nein, auf gar keinen Fall. DJs sollten selbst entscheiden, welche Nummern sie spielen. Es ist einfach ihr Job.
Wenn man von elektronischer Bassmusik und Schottland spricht, kommt man unweigerlich auf das Label LuckyMe. Sie haben die letzten Jahre geprägt.
LuckyMe ist großartig. Sie haben das alles extrem vorangetrieben und arbeiten mit vielen schottischen Künstlern und Künstlerinnen zusammen. Sie schieben Schottland ins internationale Rampenlicht, mit einem konstanten Output großer Releases. Auf jeden Fall mein Lieblingslabel.
Gibt es einen Unterschied zwischen dem Glasgow Sound und dem Edinburgh Sound?
Ich würde schon sagen. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob es jeweils eigene Marken sind. In puncto Clubmusik gab es in Edinburgh einfach mehr Hang zu Grime, Jungle und Dubstep. Nicht, dass es in Glasgow viel anders war, in Edinburgh scheint es einfach ein wenig präsenter zu sein.

Grime und New Grime sind jetzt wieder viel präsenter auf der Bildfläche.
Ich bin mir da nicht so sicher, weil ich das Gefühl habe, dass Grime immer da ist und da war. Die MC-Schiene ist einfach ein bisschen zurückgegangen, weil viele Richtung Rap gewandert sind. So haben die Produzenten begonnen ihre eigenen Projekte zu starten. Ohne MCs ist es dann natürlich wesentlich clubfreundlicher. Ich selbst würde mir aber wünschen, dass wieder mehr Rapper zu Grime zurückfinden. Ich habe die Vocal-Schiene immer sehr gemocht.
Hat Kanye West mit seinem Auftritt bei den BRIT Awards dazu beigetragen, dass Grime im Mainstream mehr Beachtung finden könnte?
Nein überhaupt nicht, eher im Gegenteil Ich glaube, dass nichts im Mainstream Erfolg haben kann, ohne sich gleichzeitig zu verändern. Grime und das Sound-Schema passen einfach nicht in die Pop-Charts und das ist wohl auch gut so.
Bei dir, DJ Milktray und anderen aus dem Genre sind Rap und R&B-Samples oft ein großer Bestandteil der Produktionen. Ist das gerade Zeitgeist oder persönliches Interesse?
Bei mir ist es vor allem der persönliche Geschmack. Ich war immer schon ein großer Rap und Hip Hop Fan und das spielt alles bei meinen Produktionen rein. Das ist irgendwie im Unterbewusstsein, wenn ich Musik mache und man kann es auch deutlich hören. Ich finde es grundsätzlich wichtig und gut, wenn man verschiedene Genres mixt. Das hält die Spannung.
Auf der anderen Seite sind dann da Ambient-Elemente und Nummern, die nicht unbedingt für den Club gemacht sind.
Na klar. Wie gesagt, ich finde nichts schlimmer, als sich zu verkrampfen und sich auf einen Style zu versteifen. Die Inspirationen sind das Wichtigste. Es muss sich richtig anfühlen.
Siehst du dich als Producer oder DJ?
Auf jeden Fall beides.
Und die Zukunft?
Ich will einfach viel mehr rausgehen und spielen. Und auch mehr Musik machen. Die Motivation ist gerade riesig. Neue Platte kommt auch bald.
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