Finanzen

Junge Leute berichten von ihren schlimmsten finanziellen Entscheidungen

Von übernatürlichen Abzockern bis zu kranken Katzen. Wie sich 20- bis 30-Jährige verschuldet haben.

von Sarah Hagi
17 Juli 2017, 10:47am

Titelfoto: Morgan | Flickr | CC BY 2.0

Reden wir nicht lange drumherum: Als Mittzwanziger haben wir von vielen Dingen keine Ahnung. Erst recht nicht von Geld. Obwohl wir an sich schon erwachsen sind, machen wir ganz schnell irgendwelche Dummheiten mit unserer Kohle. Das liegt unter anderem daran, dass man heutzutage recht einfach an Kredite kommt. Und finanzielles Grundwissen ist in der Schule auch nicht wirklich ein Thema.

Leider kommen uns diese Dummheiten irgendwann teurer zu stehen, als wir erwartet, gehofft, befürchtet haben. Um euch im besten Fall von ein paar dummen Entscheidungen abzuhalten, erzählen uns fünf Mittzwanziger von ihren schlimmsten finanziellen Fehlern. Peter Zwegat wäre entsetzt!

Sam*, 26, Designer

Mein Freund und ich waren fast drei Jahre zusammen, als er sich dazu entschied, noch mal zu studieren. Dabei dachte er nicht einmal darüber nach, wie er das Ganze finanzieren wollte. Er legte quasi einfach fest, dass ich für uns beide arbeiten gehen würde. Ich zahlte also ganz alleine die Miete, den Einkauf und auch unsere Freizeitbeschäftigungen. Letztendlich stand die Beziehung vier Tage nach seinem Studienabschluss vor dem Aus, weil wir wegen der finanziellen Situation nicht mehr konnten. Das war vor ein paar Monaten.

Bis heute hat er keinen Job gefunden und zahlt mir seine Schulden dementsprechend langsam zurück. In anderen Worten: Ich werde mich noch eine ganze Weile mit ihm herumschlagen müssen. Von der Vorstellung, dass er mir alles wiedergibt, habe ich mich schon verabschiedet. Ich wäre sogar schon mit der Hälfte zufrieden. Deswegen ist das Ganze meine bis dato schlimmste finanzielle Entscheidung. Mein Tipp für eine solche Situation: mehr Rahmenbedingungen festlegen und ernsthafte Gespräche führen.


Auch bei VICE: Der furchteinflößendste Schuldeneintreiber Großbritanniens


Brianna, 28, Fotografin

Als ich 21 war, starb meine Mutter und ich erbte knapp 200.000 Dollar. Also kaufte ich einer Freundin ein Auto. Ich glaube, damals war ich irgendwie im Endorphin-Rausch, wenn ich Geld ausgab. Es machte mich glücklich. Eigentlich sollte das Ganze eine dieser "Ich übernehme das erstmal und du zahlst es mir irgendwann zurück"-Vereinbarungen sein, aber in Wahrheit stellte ich meiner Freundin einfach einen Scheck über 11.000 Dollar aus, ohne mit ihr darüber zu reden. Richtig dumm.

Natürlich habe ich das Geld bis heute nicht wirklich zurückbekommen. Dennoch sind wir Freundinnen geblieben. Witzigerweise hat sie das Auto inzwischen in Zahlung gegeben und sich ein neues gekauft, das besser ist als meins. Wir sprechen die Sache auch nie an. Ich bin halt total schlecht darin, Leute zu konfrontieren.

Melissa, 28, Mitarbeiterin bei einer Non-Profit-Organisation

Früher habe ich frei bei einem Start-up gearbeitet. Dementsprechend musste ich mich selbst um meine Gehaltsabrechnung kümmern. Davon hatte ich aber keine Ahnung. Natürlich hätte ich mich schlau machen sollen, aber ich schob das Ganze einfach immer weiter auf und legte nichts für die Einkommenssteuer beiseite. Da ich weniger als 20.000 Dollar im Jahr verdiente, ging ich nicht davon aus, dass ich das auch noch versteuern müsste. Pustekuchen. Ich häufte unwissentlich mehrere tausend Dollar Schulden an.

Als ich dann in meinem jetzigen Job als festangestellte Mitarbeiterin anfing, dachte ich, dass das Finanzamt einfach meine Steuerrückzahlung einbehält und meine Schulden so getilgt werden. Leider bekam ich nur 200 Dollar zurück, was bei Weitem nicht reichte. Letztendlich habe ich mit dem Finanzamt eine faire Ratenzahlung vereinbart. Zum Glück waren die Beamten verständnisvoll. Trotzdem scheiße, dass mich die Sache jetzt noch mehrere Jahre verfolgt, bis ich nach und nach diese Schulden abgetragen habe. Einmal stand ich an Weihnachten komplett ohne Geld da, weil man mir kurz davor mein gesamtes Gehalt eingezogen hatte.

Und tschüss! | Foto: Gunnar Wrobel | Flickr | CC BY-SA 2.0

Stephanie, 23, Journalistin

Ich persönlich habe mich nie für einen Besuch bei einem Medium interessiert, aber einige meiner Freunde schwören darauf. Als mein Leben den Bach runterging, wagte ich es dann doch. Ich suchte bei Google nach dem "besten Medium". So kam ich mit einer Frau namens Delphina in Kontakt, die alle meine Befürchtungen bestätigte und meinen Körper von der dunklen Energie befreien wollte, die mein Leben angeblich in die Scheiße zog. Sie überredete mich, ihr unnötiges Zeug abzukaufen, und verlangte für eine Sitzung 60 Dollar. Und natürlich musste ich noch weitere Treffen ausmachen, damit alles klappte und ich das drohende Unheil abwenden konnte.

Also kehrte ich ein paar Tage später zurück und Delphina gab mir verschiedene Öle, einen Tee und eine Kerze mit. Kostenpunkt: 400 Dollar. Außerdem durfte ich keinem Menschen erzählen, was ich da machte, weil sonst nichts wirken würde. Bei meinem dritten Besuch sagte sie, dass ich einen Kristall kaufen und zu einem Friedhof bringen müsse, um meinen Bann zu brechen. Anschließend rief sie einen Kristallhändler an und handelte mir einen "guten Preis" aus. In anderen Worten: Der Stein kostete mich "nur" 700 Dollar, also meine gesamte Steuerrückzahlung. Danach bekam ich irgendwie Angst und warf alles weg. Und das Geld war natürlich auch futsch.

Charlie, 27, Autor

Meinem Kater ging es oft schlecht, seine Blase funktionierte nicht richtig und er pinkelte überall hin. Ich machte mir deswegen richtig Sorgen, aber der Tierarzt meinte, dass das bei Katern normal sei und das Problem mit einer Operation behoben werden könne. Ich entschied mich für die OP und lieh mir das nötige Geld dafür (2.500 Dollar) bei einem Unternehmen, das Kredite für genau solche Fälle anbot. Leider lag der niedrigste Betrag bei 4.000 Dollar und ich hatte keine andere Wahl, als mir diese Summe zu leihen.

Obwohl ich in den ersten Monaten nicht mal Zinsen zurückzahlen musste, kam ich nicht hinterher. Ich war halt nur ein nichtsnutziger Student. Einen Großteil der Schulden beglich ich auch mit dem Geld, das ich sonst für Gras ausgegeben hätte. Glücklicherweise erließ mir das Kreditunternehmen einen Teil der Schulden, sodass ich letztendlich "nur" die Kosten der Operation zurückzahlen musste. Trotzdem waren das ziemlich stressige Jahre.

*Namen geändert

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Snapchat.