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Interviews

Gozpel ist der (unfreiwillige) Klassenclown des Deutschraps

Der Humor von Gozpel tanzt auf der Klinge zwischen asozial und intelligent. Dabei ist er so sympathisch, dass selbst Deutschraps Pädagogen nichts gegen ihn ausrichten können.
12.12.14

„Ich bin so deutsch, ich kippe mir immer ein bisschen Bier in meinen Wodka. Ich bin so deutsch, ich mache meinen griechischen Freunden immer for free einen Kopf klar. Ich bin so deutsch, bevor ich deine Mutter ficke, muss sie immer einen Antrag ausfüllen, denn da bin ich sehr gründlich. Aber ich bin sehr deutsch, wenn ich sie ficke, komme ich auch immer pünktlich. Ich bin so deutsch, ich fliege zum Ficken nach Thailand, auch weil seine Frau mich begleitet. Ich bin so deutsch, ich habe heute schon auf dem King-Titel mein Handtuch ausgebreitet.“

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Dass man wie ein deutscher Lauch aus gutem Hause aussieht, kann im HipHop schon mal gegen einen verwendet werden. Gerade auf der Rap am Mittwoch-Bühne, wo die vermeintlich offensichtlichsten Schwächen vom Gegner bis zum Erbrechen ausgeschlachtet werden. Gozpel hat sich dieses haarige Thema auf der Bühne aufgegriffen und in ironischer aber vor allem selbstbewusster Weise für sich genutzt.

Natürlich kommt dem Steglitzer seine Berliner Schnauze entgegen, aber auch seine einfachen, und dabei sehr wirkungsvollen Punchlines. Gozpel bringt immer den Witz, den andere nicht bringen können, weil er perfekt auf der Klinge zwischen intelligent und asozial balanciert und dabei keine Scheu davor hat, sich zu blamieren. Seine Videos, wie er auf Trap einen Döner bestellt oder im Saturn sein Album kauft, gehören zum Witzigsten, was Deutschrap dieses Jahr zu bieten hatte. Ach ja, nur ein Jahr nach seinem ersten Auftritt bei Rap am Mittwoch hat Gozpel sein erstes Album Sympathoz über das Label Hijackers rausgebracht. Ob das daran lag, dass er alle mit seiner sympathischen Art um den Finger gewickelt hat?

Noisey: Du bist der Erste, der diese Trapschiene witzig aufbereitet hat. Wie bist du auf die Idee mit den Trap-Videos gekommen?
Gozpel: Ich hatte die Idee mit den Trapvideos schon länger. Die Hijackers meinten, dass ich das Zeitschriften-Video unbedingt hochladen sollte, weil das Promo bringt. Erst hatte ich keinen Bock, aber als wir es hochgeladen haben, ist es explodiert. Ich mache ja gar keinen Trap, deswegen ist es so lustig, dass ich jetzt damit assoziiert werde. Es ist schon witzig, wie man solche Sachen für Promo verwenden kann.

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Hast du dir was von Kollegahs Promophase schon abgeguckt?
Ich habe ja bis vor kurzem Promo gar nicht verstanden. Ich habe nur gesehen, dass Kollegah Bosshaft TV macht und ich fand die Sachen ganz witzig. Erst später habe ich gesehen, dass er das alles für sein Album macht. Richtig dumm. Da habe ich mir gedacht, dass ich auch innovativ sein muss. Ich bin jetzt nicht auf Rap festgelegt. Ich bin allgemein sehr kreativ denkend, aber an Rap kann ich es festmachen, deswegen mache ich es auch.

Es ist schon beeindruckend, dass du dich entschieden hast zu rappen und ein Jahr später schon ein Album mit den Hijackers aufgenommen hast.
Es hat schon länger in mir gegärt. Eigentlich rappe ich seit zehn Jahren, ich habe mit paar Kumpels gefreestylt und im Lankwitz-Bunker ein paar Tracks aufgenommen. Es hat mir Spaß gemacht, aber ich hatte nicht den Ehrgeiz, mich Rapper zu nennen. Aber es hat an mir genagt, weil irgendwelche Rapper hochgekommen sind, bei denen ich wusste, dass ich das auch kann. Aber ich hatte auch keine Lust, Geld für ein Studio auszugeben und wollte einfach nur für mich Wortspiele machen.

Wie sind denn die Hijackers auf dich aufmerksam geworden?
Der Bruder von einem Kumpel von mir ist der Labelchef von den Hijackers. Mein Kumpel hat ihm ein paar Videos von Rap am Mittwoch gezeigt, daraufhin hat der mich in ihr Studio eingeladen. Dort hat er mich mich gefragt: Willst du Spaßrap machen? Oder willst du gucken, dass du damit etwas reißt? Und wenn du so eine Chance bekommst, mit so professionellen und versierten Leuten ein Album aufzunehmen, dann machst du das.

Das mündete in einem Vertriebsdeal mit Universal, ohne dass du bisher ein Musikvideo draußen hattest. Was glaubst du, haben die in dir gesehen?
Die haben ja das Album gehört und es gefeiert. Ich glaube, es liegt bei mir nicht nur an der Musik, sondern zum Großteil an meiner Art. Ich könnte auch Stand Up-Comedian sein oder eine TV-Show moderieren. Das sind alles Sachen, die ich mir auch zutraue, weil ich eine bestimmte Art habe, Sachen zu kommentieren oder an Dinge heranzugehen.

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Warst du auch der Klassenclown?
Voll. Aber ich war auch gleichzeitig gut in der Schule, deswegen haben es die Lehrer auch gefeiert.

Du hast den Unterricht gestört und selbst der Lehrer hat es gefeiert?
Weil es immer ein durchdachter Witz aufs Thema bezogen war. Ich habe jetzt nicht einfach nur „Pimmel“ gerufen, sondern es hat auch die Thematik angesprochen. In meinem Zeugnis in der zweiten Klasse stand drin, dass ich „aufhören sollte, durch humoristische Einlagen den Unterricht zu bereichern“. Ich war immer der Unterhalter, aber unfreiwillig, weil mein Humor der Situation angepasst war.

Also das Gegenteil zu den 257ers?
Die rappen ja eigentlich gut, aber es geht immer nur ums Kotzen und Kacken. Ich haue ja auch andauernd Titten- und Fick-Sprüche raus, aber darüber möchte ich nicht rappen, weil mir das schon wieder zu low ist. Ich will mich nicht da drüber stellen, aber ich würde nicht den zehnten Song machen, wie ich einer Frau ins Dekolleté kotze.

Kannst du dir heute erklären, warum du bei Rap am Mittwoch so durchgestartet bist? Wegen des Humors?
Battleboi Basti hat mit mir mal über ein Battle von mir gesprochen und ich dachte, er feiert meine ironische Art. Aber er meinte: Ne, es ist deine Arroganz, die du sympathisch rüberbringst. Das war schon immer meine Art, dieses in den Raum kommen und rumpöbeln. Trotzdem weiß jeder, dass das nicht wirklich böse gemeint ist.

Du bist so etwas wie der nüchterne Karate Andi?
Nach der Meinung von manchen Leuten bei RAM bin ich der Karate Andi mit schlechterer Technik und billigerem Style. Aber wenn man sich unsere Alben anhört, gibt es Überschneidungen. Ich glaube, wir nehmen uns beide nicht zu ernst. Bei mir ist es „Ich bin Gangsta und gehe auf der Rolltreppe links“ und bei ihm ist es „Ich bin besoffen und haue dem Türsteher aufs Maul“. Wir sind die Dudes von Rap am Mittwoch, die alle verarschen und sich selber nicht zu ernst nehmen.

Er ist der Erste von Rap am Mittwoch, der danach wirklich durchgestartet ist. Schaust du dir da was ab?
Natürlich habe ich das verfolgt, aber wie viele haben denn seit Rap am Mittwoch was gerissen? Das sind nicht so viele. Es gibt genügend krasse Leute da, aber es ist klar, dass da etwas fehlt. Ein Roni87 ist ein krasser Rapper, aber wahrscheinlich hat er die Schwierigkeit, dass er zu anspruchsvoll ist. Ich meine, wenn ein Majoe auf die 1 geht, dann sagt das schon Einiges aus.

Du bist also nicht so anspruchsvoll?
Doch, ich bin schon ehrgeizig, aber ich bin nicht verbissen. Ich rappe nicht, weil ich ein erfolgsgeiler Mensch bin und meinen Arsch überall hinhalten will. Wenn ich auf irgendwelchen Veranstaltungen bin, gehe ich nicht zu einem Rapper und frage am Besten noch nach einem Feature, das kannst du vergessen. Und wenn mir das 2.000 Likes auf meiner Seite einbringt, ich mache das nicht. Ich will weiterhin kreativ sein und Mucke machen, und wenn das für ein entspanntes Leben reicht—Digger, was gibt’s besseres?

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