Wirtschaftsexperten sprechen gerne von der Macht der Automatismen des Marktes. Aber die Berufung eines Roboter in den Vorstand einer Venture Capital Firma in Hong King dürfte auch sie überrascht haben. Der Algorithmus mit dem allzu menschlichen Namen VITAL wird als vollständiges Vorstandsmitglied bei der Firma Deep Knowledge Ventures wesentliche Beschlüsse mittragen.
Selbstverständlich wollte ich mit VITAL selbst über diesen wichtigen Schritt in seinem Leben sprechen. Denn normalerweise erzählen frisch berufene Vorstandsmitglieder gerne über ihre Sprünge in der Karriereleiter nach jahrelanger harter Arbeit. VITAL aber stand für Interviews leider nicht zur Verfügung—denn VITAL kann nicht sprechen, nicht hören, und wenn ihr mich fragt eigentlich auch (noch) kein echtes funktionierendes Mitglied irgendeines Vorstands sein kann. Die Firmensprecherin Ashley Highland erläuterte mir die Situation etwas genauer in einer E-Mail:
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„Die Maschine hat keine Stimme, aber natürlich kann sie kommunizieren; ihre Sprache ist jedoch ein wenig anders als die Sprache der Menschen. Dennoch können wir dem Apparat wichtige Fragen stellen, und kriegen darauf auch klare Antworten.”
Du bist nicht alleine, wenn auch dir jetzt noch nicht ganz klar ist, ob VITAL mehr ist als nur eine Software, die nützliche Informationen ausspucken kann, wenn sie gefüttert wird. Meiner Ansicht nach weist jedoch nichts darauf hin, dass VITAL über irgendwelche Fähigkeiten verfügt, die über jene von normale Finanzanalyse-Software hinausgingen.
Trotzdem könnte Deep Knowledge Ventures auf der richtigen Spur sein, denn selbstverständlich spielt Automatisierung in der Finanzindustrie eine große Rolle. Um beim Geschäft der Risikokapitalfirmen zu bleiben: Was wird passieren, wenn ein Roboter jedes potentielle Start-up scannt, den Markt analysiert und autonome geschäftliche Entscheidungen, wie ein echtes Vorstandsmitglied, trifft? Was wird passieren, wenn Maschinen beginnen über die besten Methoden zu diskutieren, um ein Start-up zu pushen? Längst werden Roboter und künstliche Intelligenz auch auf diesem Feld immer besser und könnten somit nicht nur einfache Arbeitsplätze sondern auch ein paar Jobs in den gehobenen Wirtschaftsetagen ersetzen.
Die existierende Unternehmensstruktur von Deep Knowledge Ventures ist auch ohne Roboter ein kleines Mysterium. Geleitet wird die Firma von dem Russen Dmitry Kamenskiy, Mitbegrüder des Center for Biogerontology und Regenerativ Medicine—VITAL analysiert Firmen in diesem Feld. Der Rest des Vorstands besteht aus „fünf anonymen Partnern; Individuen aus Hong Kong, Russland und England mit hohem Eigenkapital”, fügt Highland hinzu.
Die Firmensprecherin sagt, dass der Vorstand nur Geld in Firmen investiert, die von VITAL auch als gute Idee abgesegnet wurden; Erstmal nicht so anders als bei irgendeiner Analyse-Software oder einfachen mathematischen Gleichungen, die sich bemühen Entscheidungen zu treffen:
„Der Roboter wird wohl nicht daran interessiert sein über Bürogardinen abzustimmen, aber für alle Investement-Entscheidungen wird VITALs Stimme miteinbezogen werden.”
Andrew Garazha, der an dem Algorithmus mitgearbeitet hat, berichtet, dass VITAL bereits vom Status „Highend-Entscheidungs-Helfer” zum „Entscheider-System mit Stimmrecht” aufgestiegen ist.
VITAL bisherige Leistungen bestanden darin bei der Investition in zwei Firmen zu helfen; eine davon ist InSilico Medicine aus Baltimore. Alez Zhavorokov, InSilicos Chef, erzählte mir, dass er zwar nicht mit VITAL „geredet” habe, aber dass seine Firma im Umgang mit Deep Knowledge Ventures so getan hat, als sei der Algorithmus ein Mensch.
„Die Tatsache, dass sie begonnen haben ihr System als gleichberechtigtes intelligentes Wesen zu behandeln ist sehr beeindruckend”, sagte er mir. „Sie haben ihm sogar einen menschlichen Namen gegeben [Anmerkung der Redaktion: ich kenne niemanden der „VITAL” heisst]. Ich glaube, dass dies der richtige Weg für jedes Team ist das Großes mit künstlicher Intelligenz vorhat.”
Ich würde jedenfalls liebend gern rausfinden, was der Roboter selbst über seine Karriere denkt, aber bisher stand er leider einfach (noch) nicht für Interviews zur Verfügung.
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