Ich habe in den letzten fünf Jahren bei ein paar Tageszeitungen gearbeitet, aber ich habe noch nie vorher die Phrase „der tote Polizist wurde vermutlich ausgeweidet” niedergeschrieben. Das war eine der frühen Nachrichten von den Aufständen die Jakarta gestern erschüttert haben.
Ein paar hundert Demonstranten, die überzeugt waren, dass die Stadtverwaltung ein heiliges Grab in der Nähe des Koja Hafens in Tanjung Priok abreißen wollte, hatten sich gegen sechs Uhr morgens dort versammelt, um das Grab vor etwa 2.000 Beamten für öffentliche Ordnung (Sicherheitskräfte die so ähnlich sind wie Polizisten, die aber für eine andere Stadtbehörde arbeiten) zu schützen, die in die Gegend geströmt sind, begleitet von zwei Baggern.
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Es ist nicht ganz klar, wer den ersten Stein geworfen hat, aber gegen sieben war das Ganze ein ausgewachsenes Schlachtfeld. Demonstranten kamen ausgerüstet mit Macheten und Sicheln, die sie gegen die Beamten und später die Polizei ungebremst einsetzten. Molotow Cocktails wurden geworfen und verwandelten etwa 60 Einsatzfahrzeuge in rauchende Trümmerhaufen aus Gummi und Metall, unter ihnen auch der gigantische Wasserwerfer, mit dem die Polizei versuchte die Menge zu zerstreuen.
Als es Nachmittag wurde, waren es Tausende von Demonstranten und die vier Fernseher in unserem Newsroom sendeten Live Bilder von leblosen, uniformierten Körpern die am Boden lagen und von Menschen umringt waren die Steine auf ihre Köpfe warfen.
Als Redakteur einer der englischsprachigen Tageszeitungen der Stadt habe ich Berichte gelesen, wie einem Beamten der Arm abgeschnitten wurde, ein Demonstrant von rachelüsternen Polizisten attackiert und gefesselt wurde, man ihn ausgezogen und seinen Schädel eingeschlagen hat. Später am Nachmittag haben mit Stöcken bewaffnete Demonstranten das Krankenhaus gestürmt um sich an den Beamten zu rächen die dort behandelt wurden. Das Krankenhaus hat diese dann über den Hafen auf See evakuiert. Weil ich in meinem Newsroom im Stadtzentrum eingegraben war, hätten die Unruhen auch am anderen Ende der Welt sein können, aber die gelegentlichen Entsetzensschreie meiner indonesischen Kollegen, die sich um die Fernseher versammelt hatten, machten mir immer wieder klar, dass die Sachen die ich da sah gerade jetzt im Moment passierten, nur ein paar Autominuten von mir entfernt.
Wahrscheinlich weil ich hier immer noch ein Außenseiter bin, ist es für mich immer noch ziemlich unverständlich, dass sich die Bevölkerung und die Regierung so feindlich gegenüberstehen. In Indonesien gibt es ein lange Geschichte von religiösen Konflikten, dieser hier hat aber eigentlich nichts mit Religion zu tun. Die Leute die das Land und die Stadt regieren ,beten jeden Tag fünf Mal gen Mekka, genauso wie die, gegen die sie kämpfen.
Es muss aufgestaute Wut sein, die über ein Denkmal weit hinaus geht. Zur Hölle, der Leichnam von Mbah Priok-der Typ, der das Grab überhaupt erst heilig macht, wurde 1997 umgebettet. Vielleicht herrscht die Wut wegen der unglaublichen Einkommensunterschiede im Land – die Hälfte der Bevölkerung hat weniger als 2$ pro Tag zur Verfügung. Vielleicht haben die Leute auch einfach keine Lust mehr sich von Polizisten rumschubsen zu lassen die sich angeblich für 5$ am Tag kaufen lassen. Vielleicht mögen Indonesier auch einfach Aufstände.
Am Ende des Tages gab es zwei Tote und 114 Verletzte, man erwartet, dass beide Zahlen noch steigen. Nachts wurden alle Polizisten und andere Beamte aus dem betroffenen Gebiet abgezogen, in dem immer noch Fahrzeuge brannten. Ich lasse euch wissen wie es morgen aussieht.
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